Letzte Woche habe ich hier in meinem Kommentar argumentiert, dass Merz scheitern wird, weil er versucht, das deutsche Entwicklungsmodell mit den Mitteln von gestern wiederzubeleben. Mit Blick auf die widersprüchliche Koalition, die er hinter sich versammelt hat und in Anbetracht der anhaltenden Krise der deutschen Wirtschaft wird auch der Herbst der Reformen daran nichts ändern.
Die Katastrophe von Sonntag – würde ich sagen – unterstreicht die Schlüsse des Textes nochmals: Die bürgerlichen Parteien werden der AfD nichts entgegenbringen können, eher sie nicht anfangen, sich vom kapitalistischen Realismus abzuwenden und eine andere Zukunftsvision zu entwerfen.
Wo aber kann so eine Vision ansetzen? Und wieso sind selbst progressive Kräfte der Mär auf den Leim gegangen, die von Merz angestrebten Reformen seien notwendig?
@janniskoester Ich habe in meinem letzten Text auch davon gesprochen, dass die Parteien, die die AfD schlagen wollen, dazu besser mit Visionen statt mit Kompromissen aufwarten sollten. Bei der CDU finde ich es aber besonders schwer, zu sagen, wie so eine Vision aussehen sollte. Für mich stehen Konservative eben für den Status quo.
Sonst fällt mir nur der kurze Moment in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein, als sie es mal mit sozialistischen Positionen versucht hat. Aber ich fürchte, ich bin eher Teil einer Minderheit damit, dass ich am liebsten fünf/sechs sozialistische Parteien hätte, um mir die vernünftigste aussuchen und auch mal wechselwählen zu können.