Neue Literatur auf dem Schreibtisch.
@Schiebermatzen Teile dann gern deine Eindrücke mit!
Diskussion
Chef vom Dienst bei Jacobin.
»Bauchlinker Normie« laut jacobin.de/quiz
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@thomaszimmermann
Ich verstehe jede Entäuschung über die Entwicklung des BSW und mag auch nicht über Wagenknecht diskutieren, lohnt nicht.
Aber diese Mit-Wahl eines Landtagspräsidenten der AfD sehe ich undramatisch, eher als Schritt weg von einer sinnlosen und schädlichen Brandmauerpolitik zu einer politischen Auseinandersetzung. Dabei möchte ich erinnern, dass es damals weit weniger Aufregug in der Linken gab: spiegel.de/politik/deutschla...
Mir scheint ein Problem und falscher Ansatz zu sein, dass alle nur empört und aufgeregt sind, falsche Vergleiche bemühen und die Gefahr durch die AfD überziehen und keine Diskussion mit denen mehr stattfindet, die die AfD gewählt haben oder die ihre Ausgrenzung ablehnen. Die Spaltung wird immer mehr vertieft, ähnlich die Spaltung zur Haltung zum Ukraine-Krieg. Da das mittlerweile große Teile der Bevölkerung und insb. die Mehrheit der Arbeiterklasse in Ostdeutschland ist, zu der Linke keinen Zugang mehr haben und sie einfach rechts liegen lassen, müsste das für Sozialst:innen doch ein Problem sein. Migrationspolitik und Rassismus der AfD sind doch gar nicht das Problem für die CDU, sondern es geht um anderes: tagesspiegel.de/politik/wege... Gleichzeitig ist die Kriegspolitik der Regierung aktuell die größte Gefahr, und auch der Abbau von demokratischen Rechten wird dabei doch von denen vorangetrieben, von EU-Sanktionen über Medienmanipulation, Geheimdienstreform, neue Berufsverbote, die wieder v.a. Linke und Gegner der Kriegspolitik treffen werden usw. Statt dagegen möglichst kraftvoll vorzugehen, werden die Gegenkräfte munter gespalten an der AfD-Frage und den Regierungen damit das Geschäft besorgt.
@Ralf_Kr_mer Ich bin selbst kein Freund der Überdramatisierung. Und nehme vielen Politikern die Empörung auch nicht ab.
Wagenknecht hat schon sehr lange gesagt, dass die Brandmauer nirgendwo hinführt. Aber das BSW sollte ja mehr sein als eine Anti-Brandmauer-Partei. Wenn ich mich recht entsinne, haben auf dem Gründungsparteitag soziale Themen die Hauptrolle gespielt. Jetzt spielt das Verhältnis zur AfD die Hauptrolle. Und ich nehme mal an, das ist schon frustrierend für die meisten Unterstützer der ersten Stunde. Das BSW erreichte ja mal 23 Prozent in Umfragen in Sachsen-Anhalt Anfang 2024.
Stimme auch zu, dass die Kriegspolitik eine große Gefahr ist. Empfinde aber die AfD nicht als Teil einer Antikriegsbewegung. Trump hat auch als Friedenstaube Wahlkampf gemacht und ist als Falke im Weißen Haus gelandet.
Sachsen-Anhalt hat jetzt also einen AfD-Landtagspräsidenten, die Normalisierung rechtsextremer Politik in Deutschland schreitet voran. Die Aufregung ist groß über die vier CDU-Abweichler, die offenbar zusammen mit AfD und BSW abgestimmt haben. Darüber darf man jedoch nicht übersehen, was für ein trauriges Bild Sahra Wagenknecht gerade abgibt.
Das BSW zog anfangs alle möglichen Erwartungen auf sich. Vielleicht wäre es ja gar nicht schlecht, noch eine zweite Linkspartei zu haben, der egal ist, was man in der Zeit über sie schreibt? Vielleicht könnte es ja Deutschland irgendwie auf einen parallelen Entwicklungspfad katapultieren, als wäre damals Oskar Lafontaine statt Gerhard Schröder Bundeskanzler geworden? Vielleicht könnte Wagenknecht eine deutsche Version von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum werden, verhasst in Teilen der progressiven Mittelschicht, aber gefeiert von der arbeitenden Mehrheit? Vielleicht könnte sie sogar irgendwas komplett Verrücktes tun und die BRD raus aus der NATO und rein ins BRICS-Bündnis führen?
Am Ende scheint sich nun das bei weitem frustrierendste und verheerendste Szenario abzuspielen, nach dem Drehbuch der Schwarzseher, die im BSW von Anfang an nichts als Steigbügelhalter für die Rechten erblickten. Im einzigen Bundesland, in dem es das BSW in diesem Wahljahr über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, hilft es jetzt einer rassistischen und wirtschaftsliberalen Partei aufs Pferd.
Wagenknecht warf der Linken vor, die Arbeiterschaft vergessen zu haben und nur noch an Antidiskriminierung zu denken. Wann hat sie eigentlich das letzte Mal etwas für die Arbeiterschaft geleistet? Inzwischen tut sie ja selbst nichts anderes mehr, als gegen Diskriminierung anzukämpfen – gegen die Diskriminierung von AfD-Politikern nämlich.
@thomaszimmermann ja voll, aber ich finde es gleichzeitig total schwierig, marterbauer diese aufgabe umzuhängen. liegt aber vielleicht auch daran, dass ich ihn menschlich sympathisch finde und mir wünsche, dass er sich auf seine genesung konzentrieren kann
@magdalena Also menschlich finde ich es auch mehr als grenzwertig, Marterbauer jetzt noch extra Verantwortung aufzubürden. Aber weiß nicht, wer da jetzt am meisten Schuld dran hat: Babler, die Landesparteivorsitzenden, Zeiler oder einfach die Konzernmedien.
andreas babler ist ab jänner geschichte – zumindest als spö-parteichef. er hat versucht, die sozialdemokratie in österreich zu reformieren, und konnte bei dieser mammutaufgabe eigentlich nur verlieren. denn er hatte von beginn an mächtige gegner, allen voran den boulevard, die seine medienförderung (er wollte sie nach qualitätskriterien bemessen und gleichzeitig regierungsinserate kürzen) ablehnten.
ich hab dieses projekt von beginn an skeptisch beäugt, weil ich die bewegung babler, von der vor drei jahren so viel gesprochen wurde, nie so richtig wahrgenommen habe. die energie der leute, die in die partei eintraten, um ihn zum chef zu machen, verpuffte schon nach wenigen wochen. man wollte die leute in der partei auch gar nicht.
bablers größtes politisches vermächtnis bleibt finanzminister markus marterbauer. ein alter keynsianer, der trotz sparpaket einer der beliebtesten politiker des landes ist. er soll ab jänner vizekanzler werden (und vielleicht später auch parteichef), ob das gelingt, steht aber noch in den sternen, denn marterbauer unterzieht sich gerade einer chemoterapie. er ist vom politikertypus ähnlich wie elke kahr: ihn zu kritisieren, fällt negativ auf einen selbst zurück.
dabei gäbe es sehr viel zu kritisieren an der aktuellen regierung: das sparpaket, das auf die schultern der arbeitenden bevölkerung verteilt wird in erster linie. die hohen lebensmittelpreise, die steigenden mieten. wie so viele andere mitte-regierungen ist auch österreich nicht in der lage den krisen der gegenwart wirklich etwas entgegenzusetzen.
ich habe als österreichische linke ein paradoxes verhältnis zur spö- natürlich habe ich mir gewünscht, dass das projekt babler funktioniert, obwohl ich wusste, dass es kaum möglich sein wird. und gleichzeitig hat die spö nie so viel verbrochen wie die deutsche SPD, es fällt also leichter, sich auf sie zu beziehen. aber sie hat uns den gegenwärtigen schlamassel miteingebrockt: ein möglicher kanzler herbert kickl nach der nächsten wahl.
@magdalena Ein Meta-Punkt, den ich ganz interessant finde: Vielleicht ist es eine gute Idee für kriselnde sozialdemokratische Parteien auch in anderen Ländern, Führungspersonal von außerhalb des inneren Apparats zu rekrutieren, aus Gewerkschaften und dergleichen. Denn was wäre jetzt eigentlich, wenn Babler Marterbauer nicht aus der Arbeiterkammer geholt hätte? Dann gäbe es überhaupt keinen Linkssozialdemokraten, der ihm nachfolgen könnte.
Schon lustig, dass in der neuen, AfD-bestimmen Sitzordnung im Landtag von Sachsen-Anhalt die Grünen rechts neben der CDU sitzen.
Was für ein Boss-Move von Pellmann lol
Ich habe neulich in der Autobiografie von Adelheid Popp, der Begründerin der sozialistischen Frauenbewegung in Österreich, gelesen: »Jeder einzelne Sozialdemokrat, den ich aus der Zeitung kennen lernte, erschien mir wie ein Held.« Die Art Sozialdemokraten bräuchte es mal wieder, die solche Gefühle bei jungen Arbeiterinnen auslösen.
Gerhard Zeiler: »Ich bin kein Marxist, ich bin auch kein Klassenkämpfer, ich bin klassischer Sozialdemokrat.«
Alle klassischen Sozialdemokraten, die Marxisten und Klassenkämpfer waren: 😭 😭 😭
Ob ein CEO wirklich das ist, was die Sozialdemokratie braucht?
Ich habe neulich in der Autobiografie von Adelheid Popp, der Begründerin der sozialistischen Frauenbewegung in Österreich, gelesen: »Jeder einzelne Sozialdemokrat, den ich aus der Zeitung kennen lernte, erschien mir wie ein Held.« Die Art Sozialdemokraten bräuchte es mal wieder, die solche Gefühle bei jungen Arbeiterinnen auslösen.
Ob ein CEO wirklich das ist, was die Sozialdemokratie braucht?
Ich kann die Populismus-Definition »einfache Antworten auf komplizierte Fragen« nicht mehr hören. Als würden elitistische Parteien nicht genauso einfache Antworten geben: »Wir können uns das nicht mehr leisten!«
Und genauso geht mir die Demokratie-Definition »miteinander reden« auf den Geist. Bekanntlich ist ja demos altgriechisch für »zusammen« und krateis heißt »sprechen«.
(Ja, ich habe Lanz geschaut.)
@thomaszimmermann 100%, für Elitenkritik von links wäre es echt mal Zeit. Hab dazu mal einen kurzen Text geschrieben mit dem Titel, frei nach Lenin: "Jede Köchin kann regieren, aber momentan tun's nur Anwälte."
@janniskoester Ich fand die Gehaltsdeckel-Diskussion im Grunde nicht schlecht als Ansatzpunkt, um den strukturell elitären Charakter der Politik zu kritisieren. Man müsste sie nur zu der Forderung ausweiten, die Diäten aller Politiker aller Parteien zu senken.
Die missliche Lage von Friedrich Merz erinnert stark an die von Keir Starmer vor ein paar Monaten. Starmer war der unbeliebteste britische Premierminister der Geschichte, so wie Merz der unbeliebteste deutsche Bundeskanzler aller Zeiten ist. Starmers Labour Party unterlag bei Kommunalwahlen schmerzhaft der Rechtsaußen-Partei Reform UK, so wie die CDU unter Merz bei Landtagswahlen von der AfD vorgeführt wird.
Nach diesen Niederlagen wurde der blutleer wirkende Starmer durch den sich volksnah und zupackend gebenden Andy Burnham ersetzt und siehe da: Labour hat in Umfragen kräftig zugelegt und steht jetzt wieder über Reform. Offensichtlich hätte die Union das auch gern. Um die Parallele weiterzuziehen: Was die möglichen Kanzler-Anwärter der Union angeht, denkt man bei »volksnah und zupackend« wohl eher an Markus Söder als an Hendrik Wüst.
Ein Kanzler Söder könnte wie der Premier Burnham sein Social-Media-Geschick spielen lassen, mit ein paar populären Sofortmaßnahmen punkten und die Union wieder in Umfragen steigen lassen. Doch ebenso, wie unklar ist, ob der »Burnham-Bounce« überhaupt bis zur nächsten Wahl trägt, wäre auch ein »Söder-Schub« gewiss nur vorübergehend.
Denn Merz und Starmer scheiterten nicht deshalb, weil sie elitäre Technokraten sind – das beschleunigte und verschärfte lediglich ihr Scheitern. Der Politikbetrieb an sich ist in viel grundsätzlicherer Weise elitär und technokratisch, was sich mit oberflächlicher Popularisierung nicht beheben lässt, sondern strukturelle Demokratisierung erfordert.
ich hab diese woche den film "bruno - der junge kreisky" im kino gesehen und er war so schlecht, dass es mich wohl noch einige tage beschäftigen wird, haha.
dabei hatte er eigentlich alles, was ich an einem film liebe: biopic über eine person, mit der ich mich wahnsinnig viel ausinandergesetzt habe. 1920s, zwischenkriegszeit, sozialismus in österreich.
aber die dialoge waren so gottloser Slop. also da waren so szenen drin, wo er auf arbeitslose menschen schaut und dann sagt "die bekämpfung der arbeitslosigkeit wird mir immer am wichtigsten sein". what happened to "show dont tell"??
man lernt den menschen überhaupt nicht kennen, er bleibt total unnahbar. 1/5 und ich dachte vor ein paar tagen noch, schlechter als der bachmann-film kanns nicht werden.
@magdalena Schade! Dann schau ich ihn mir wohl doch nicht an. Hast du »Der junge Marx« gesehen? Da fand ich es auch schon super cringe, dass die Drehbuchschreiber Marx und Engels einfach Zeilen aus ihren Texten als Dialog in den Mund gelegt haben. Als wären das keine normalen Menschen gewesen.
grüne, wenn plötzlich taktisch gegen sie gewählt wird: x.com/GrueneMission/status/2...
@magdalena Beweisstück X, dass es vor allem Probleme macht, wenn »gegen die AfD« das A und O jedes Wahlkampfs ist.
Letzte Woche habe ich hier in meinem Kommentar argumentiert, dass Merz scheitern wird, weil er versucht, das deutsche Entwicklungsmodell mit den Mitteln von gestern wiederzubeleben. Mit Blick auf die widersprüchliche Koalition, die er hinter sich versammelt hat und in Anbetracht der anhaltenden Krise der deutschen Wirtschaft wird auch der Herbst der Reformen daran nichts ändern.
Die Katastrophe von Sonntag – würde ich sagen – unterstreicht die Schlüsse des Textes nochmals: Die bürgerlichen Parteien werden der AfD nichts entgegenbringen können, eher sie nicht anfangen, sich vom kapitalistischen Realismus abzuwenden und eine andere Zukunftsvision zu entwerfen.
Wo aber kann so eine Vision ansetzen? Und wieso sind selbst progressive Kräfte der Mär auf den Leim gegangen, die von Merz angestrebten Reformen seien notwendig?
@janniskoester Ich habe in meinem letzten Text auch davon gesprochen, dass die Parteien, die die AfD schlagen wollen, dazu besser mit Visionen statt mit Kompromissen aufwarten sollten. Bei der CDU finde ich es aber besonders schwer, zu sagen, wie so eine Vision aussehen sollte. Für mich stehen Konservative eben für den Status quo.
Sonst fällt mir nur der kurze Moment in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein, als sie es mal mit sozialistischen Positionen versucht hat. Aber ich fürchte, ich bin eher Teil einer Minderheit damit, dass ich am liebsten fünf/sechs sozialistische Parteien hätte, um mir die vernünftigste aussuchen und auch mal wechselwählen zu können.
Zu den Ermittlungen wegen Bestechlichkeit gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach kann ich nur sagen: Wer wirtschaftsnahe Manager-Typ-Sozialdemokraten will, kriegt wirtschaftsnahe Manager-Typ-Sozialdemokraten.
@Entelegenz @thomaszimmermann Das wird dann so ein rechter Prof. von der Uni in Magdeburg. 😂
@Schiebermatzen @Entelegenz Oder irgendein Unternehmer, so als hätte Team Freiheit die Wahl gewonnen.
Was sind denn die konkreten Kriterien für einen "überparteilichen" Kandidaten und wer würde konkret diese Rolle füllen können?
Als ob die AfD nach einem historischen Wahlergebnis diesem Vorschlag zustimmt und auf den Posten freiwillig verzichtet. Die haben den Laden dort fest in der Hand. Wenn es nicht nach deren Nase laufen wird, werden sie einfach auf Neuwahlen setzen und sich potenziell die restlichen 2-3 Sitze für die Absolute Mehrheit holen.
@Entelegenz Konkretes gibts dazu nach wie vor nichts. Und natürlich wäre es für Ulrich Siegmund irre, auf das Amt zu verzichten. Aber vielleicht ließe sich auch beides verbinden: Zumindest hat sich jetzt Dieter Dehm zu Wort gemeldet und vorgeschlagen, Siegmund könnte einfach seine AfD-Parteimitgliedschaft ruhen lassen, dann wäre er parteilos und das BSW könnte ihn wählen. Also ja, es geht noch verrückter. Dehm selbst ist ja auch parteilos, vielleicht käme auch er fürs Amt infrage 😂
@magdalena Innerhalb der vergangenen 4 Jahre hat die Lesekompetenz meiner Studierenden auch ziemlich nachgelassen. Mitunter bin ich sprachlos, wie selbst sehr alltagssprachliche Texte aus der Wissenssoziologie zunehmend schlecht durchdrungen werden. Vor allem aber die Geschwindigkeit dieser Entwicklung überrascht mich -- und mit der Zugänglichkeit von Chat-Bots wird das Halten von (Pro-)Seminaren zunehmend deprimierend...
@Manu @magdalena Darf ich fragen, wie diese Chat-Bot-Folgen konkret aussehen im Seminar? Können die Studis einfach nicht konzentriert lesen? Oder fehlt ihnen die Energie? Oder sehen sie das gleichgültig? Und gibt es nicht auch KI-Abstinente unter ihnen?