@fabiannehring also dieses "erst mal distanzieren" ist was sehr deutsches in meinem gefühl.
@magdalena Die Linke ist demnach die deutscheste Partei überhaupt.
Diskussion
Fabian Nehring ist Politikwissenschaftler und aktives Mitglied bei der Linken in Berlin.
@fabiannehring also dieses "erst mal distanzieren" ist was sehr deutsches in meinem gefühl.
@magdalena Die Linke ist demnach die deutscheste Partei überhaupt.
in den letzten tagen habe ich – mit blick auf die schülerproteste in frankreich – wieder gemerkt, wie intensiv filterblasen funktionieren. ich sehe seit wochen absolute hope core aus frankreich. allen voran der bürgermeister von saint denis Bally Bagayoko, der sich schützend vor die schüler:innen stellt, bis er selbst tränengas abbekommt. seit wochenende haben die videos plötzlich die bürgerliche mitte erreicht und es geht da natürlich nicht um polizeigewalt und berechtigte interessen der schüler:innen, sondern um irgendwelche rassistischen fantasien und die störung herrschaftliche ordnung.
gleichzeitig frage ich mich, ob es dem LFI gelingt, sich so an die spitze der proteste zu stellen, dass die energie auch wirklich eingefangen und politisch kanalisiert wird. also die wut der protestierenden ist absolut nachvollziehbar, aber dass sie dafür auch teile ihrer eigenen viertel zerstören, wo migrantische kleinunternehmer ihre läden haben, lässt mich immer fragen, wie es gelingen kann, diese energie produktiv einzufangen. habt ihr dazu meinungen?
@magdalenaman Aus der Berliner Erfahrung kann ich berichten: man sollte damit anfangen, dass man sich nicht zuerst dem bürgerlichen Diskurs unterwirft und sich distanziert, sondern konsequent Auslöser und berechtigte Interessen nach vorn stellen und Zugeständnisse an diese rechten Narrative verweigert.
Die verbindende Partei ist Geschichte. Was kommt danach?
Das Sondierungspapier in Berlin: Warum ich in dieser Form nicht zustimmen würde.
1. Zugesagt ist ein Gesetzentwurf zu Vergesellschaftung, kein Gesetz. Mitte 2028 soll er vorgelegt werden, auf Basis eines Finanzierungskonzepts, das erst 2027 festgelegt wird, unter der Voraussetzung der "fiskalischen Tragfähigkeit", also unter Finanzierungsvorbehalt. Wo die Grüne und SPD Verbindlichkeit wollten, etwa in den Anlagen zu Antisemitismus und organisierter Kriminalität, stehen Konsequenzen im Text. Bei der Vergesellschaftung nicht. Die Verabredung ist also weicher, als es auf den ersten Blick scheint.
2. Der Senat rechnet für 2028 mit 4,1 Mrd. Euro Finanzierungslücke, danach mit rund 5 Mrd. pro Jahr. Dem werden knapp 1 Mrd. Entlastung gegenübergestellt. Das Papier verpflichtet auf einen noch auszuverhandelnden "Konsolidierungspfad" und stellt Vereinbarungen des Papiers mit zusätzlichem Finanzbedarf unter Finanzierungsvorbehalt. Wortwörtlich: "Der Spielraum für gemeinsame Projekte, die mit zusätzlichen Ausgaben verbunden sind, steht in Abhängigkeit vom Konsolidierungspfad und wird eng begrenzt sein." S. 23f.
3. Vieles ist nur ein Prüfauftrag und keine feste Verabredung, etwa ein Landesbetrieb für Wohnungslose und Geflüchtete, eine Umbauagentur, eine Verpackungssteuer (die ich allerdings falsch finde), Instrumente zur Entlastung des Kernhaushalts und weitere Instrumente neben der Vergesellschaftung. Ich zähle 14 Prüf- und Auslotaufträge im Papier.
Was die Berliner Linke als Oppositionskraft gewinnen kann
Mit solchen Vorsondierungen kann Die Linke weder inhaltlich in Verhandlungen was rausholen, noch erhobenen Hauptes einen Exit durchziehen – einfach innerhalb von zwei Wochen aus dem größten historischen Sieg in eine Lose-Lose-Situation reinmanövriert.
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@SchiebermatzenDie liberale Politik-und-Medien-Blase ist schlicht eine absurde Paralellwelt.
Der Kanzler bezeichnet die israelische Flagge als "Judenfahne" und Antisemitismus ist für ihn eine Form der "Ausländerfeindlichkeit" – es ist schon beachtlich, wie wenig man sich mit Antisemitismus auseinandersetzen muss, wenn es zur eigenen Grundüberzeugung gehört, dass dieser nichts mit einem zu tun habe.
@magdalena @lorenbalhornDeswegen war ich gefen diese kurzsichtige und einseitige Kommunikation. und ein guter Teil der Partei auch, nur halt nicht die Mehrheit im LaVo.
@magdalena bzw. wurde sich da auch nicht "geeinigt", es wurden Fakten geschaffen.
@fabiannehring @lorenbalhorn das wäre aber diamentral dazu, dass man sich in den letzten monaten auf das Ziel "rotes Rathaus" geeinigt hat. ich glaube, man könnte so einen schwenk machen, wenn nicht Bürgermeisterin Elif Eralp das von Anfang an vorgegebene Ziel wäre. ich glaube auch, dass eine regierungsbeteiligung der partei aktuell eher schadet, weil die spielräume nicht da sind. aber das hätte man fairerweise von beginn an sagen müssen.
@magdalena @lorenbalhornDeswegen war ich gefen diese kurzsichtige und einseitige Kommunikation. und ein guter Teil der Partei auch, nur halt nicht die Mehrheit im LaVo.
@fabiannehring @lorenbalhorn @adyzymberi darum find ich lorens text auch so treffend, das dilemma ist einfach real.
@magdalena @lorenbalhorn @adyzymberiIch denke der beste öffentliche Case ist, dass das Programm der Linken mit SPD und Grünen nicht umzusetzen ist. Die Leute wählen für einen Politikwechsel. Wenn der nicht möglich ist, dann ist das auch vermittelbar. Klar wird das auch manche enttäuschen, man darf den medialen Moment nicht mit dem Langzeitgedächtnis der Wähler*innen verwechseln. Wenn man in der Regierung den Status quo verwalten muss, statt Änderungen durchzusetzen, schadet dass mehr als begründet Nein zu sagen. die Enttäuschung über das Nein wird aufgewogen, wenn man dann in der Opposition für den Wechsel streitet und Druck macht. dass das funktioniert kann man bspw. An der FDP 2017ff belegen.
@lorenbalhorn sind das die einzigen, die gegen eine regierungsbeteiligung sind innerhalb der linken?
@adyzymberi @lorenbalhorn Nee, ich z.B.
Regierungsbeteiligung hat bessere Kritiker verdient
@lorenbalhorn Hey ja 🫤
ich war gestern das erste mal seit monaten wieder auf linkedin, weil ich eine e-mail-benachrichtigung bekommen habe und bin aus deinem staunen nicht herausgekommen. absolut jedes einzelne Posting dort ist mit KI geschrieben und niemanden scheint es zu interessieren. außerdem heißen alle Jobs heute "AI Enablement Associate Officer". aber das beste waren die Jobs, die es einem vorschlägt:
@magdalena Also keine Empfehlung ? 🙂
Srsly, hab nie verstanden, wozu das nützlich sein soll. Spätestens jetzt dürfte es auch für recruiter völlig nutzlos geworden sein.
Steuersenkungen sind schlechte Sozialpolitik
Zur Frage der Regierungsbeteiligung in Berlin hab ich eine längere Analyse im Debattenblog Licht und Luft geschrieben. Meine Grundthesen:
1. Bevor wir in eine Regierung gehen müssen wir prüfen, ob eine Regierungsbeteiligung der Berliner Linken angesichts der aktuellen Kräfteverhältnisse strategisch sinnvoll ist fur den langfristigen Aufbau des Sozialismus.
2. Der Staat sichert die Verwertungsbedingungen des Kapitals, seine Spielräume für Reformen im Interesse der Lohnabhängigen sind daher immer begrenzt.
3. Berlin ist dabei zusätzlich durch Bundesrecht, Schuldenbremse und ein Haushaltsdefizit von rund fünf Milliarden Euro eingeschränkt, eine Koalition wäre zudem nur mit SPD oder Grünen möglich, die das Zeil einer sozialistischen Transformation nicht teilen.
4. Die historische Bilanz linker Regierungsbeteiligung in Berlin zeigt Sozialabbau, Privatisierungen und massive Stimmenverluste statt sozialistischer Gestaltung, sowie daraus resultierende sinkende Wahlergebnisse.
5. Ohne durchgesetzte Vergesellschaftung und eine breite außerparlamentarische Mobilisierung würde Regierungsbeteiligung nur neoliberale Sachzwänge verwalten und der AfD nützen, weshalb jetzt Opposition und der Aufbau einer organisierenden Klassenpartei zu priorisieren sind.
https://lichtundluft.org/2026/09/08/bedingungen-und-grenzen-transformatorischer-reformpolitik-in-berlin/
@fabiannehring Das Endergebis ist wirklich schwach am Ende und Berlin ist alles andere als sicher: da kann am Ende fast jeder (außer die SPD) stärkste Kraft werden.
@Schiebermatzen Die Gefahr die ich sehe ist eher, was man dann mit der neuen Stärke macht. Beteiligt man sich an der prekären Verwaltung des Status Quo, oder macht man den Unterschied zum politischen Zentrum , zu (progressiv) neoliberalen Parteien wie Grünen und SPD deutlich? Die Gefahr, in der Regierung auf Grund der Haushaltssituation und dem fehlenden Willen zur Vergesellschaftung keinen Unterschied machen zu können und das Narrativ der AfD zu stützen , dass nur sie die wahre Alternative seien, ist groß.
@snips Ich glaube das Antifaschismus als politisches Programm reichen würde, würden wir diese Ideologie mit Inhalt (und Antikapitalismus) füllen. Da wir Wirtschaft und Faschismus getrennt voneinander sehen, reicht Antifaschismus als Programm nicht.
@ErikUden @snips Wenn man sich denn mal wenigstens auf das Diktum von Max Horkheimer besinnen würde, das gerade in den 90ern ja auch von vielen Antifas vertreten wurde: Wer vom Kapitalismus nicht reden wolle, soll zum Faschismus schweigen. Sollte doch gerade der eher antideutsch geprägten Szene in Leipzig durchaus geläufig sein.
@fabiannehring Meine Sorge: die Linke kann den Kurs nicht wechseln, da die Reformer:innen weiterhin dominant ihre Strategie in der Partei aufrecht erhalten können.
Und welchen Kurs soll man einschlagen? Sozialistische Kampfpaetei in der Opposition? Das findet auch keiner Mehrheit.
Es ist gerade nicht leicht.
@Schiebermatzen Mann muss ja nicht von einem extrem gleich ins andere Wechseln, sondern eine kluge Vermittlung finden.
@fabiannehring D'accord, gleichzeitig fällt es mir schwer zu formulieren, wie ein solcher Kurs konkret auszusehen hat in einer Situation, wo die AfD kurz vor der absoluten Mehrheit steht. Aber sicher ist, das parlamentarische Taktieren das jetzt folgt wird nicht gut sein sein für Die Linke.
@lorenbalhorn Ich denke, es gibt niemanden, der oder die das seriös beantworten kann. Wichtig ist jetzt aber erst mal sich einzugestehen , dass der bisherige Kurs gescheitert ist und zum Scheitern verdammt ist und auf die Suche zu gehen. Klar ist, dass es einer eigenständigen Positionierung bedarf. pantisano hat das gestern versucht . auch er hat allerdings zwar das Soziale angesprochen, aber mal wieder das Thema Aufrüstung ausgespart. Das geht nicht. Es muss klar ausgesprochen werden, dass es eine andere Vision von Gesellschaft braucht und dass der Weg von Union/SPD/Grünen genauso in die Katastrophe und zur Stärkung der AfD führt.