@magdalena
Hier wurde nicht nur latenter und offener Rassismus in der Gesellschaft durch eine völlig übertriebene Berichterstattung befeuert. Er wurde als Vertreter der „Wokeness“ identifiziert UND war schwarz. Daran konnten sich also nicht nur Hardcore-Rassisten, sondern auch Dieter-Nuhr-schauende, vermeintliche Vernunftbürger abarbeiten.
Besonders den Aufmerksamkeitsvergleich mit ähnlichen Fällen und die krasse Diskrepanz dazwischen beschreibt der Artikel von Ash Sarkar sehr gut.
Es wundert mich gar nicht, dass die konservative und rechte Presse inzwischen mehr Negatives über Wokeness schreibt als die liberale Presse Positives. Zum Beispiel hatte „FAZ.net“ (und nicht „Zeit Online“) vor ein paar Tagen einen Artikel über Blackfacing in der Provinz - und zwar als Hauptmeldung. Man hat ohne größeren Anlass eine Reporterin geschickt, nur um herauszufinden, wie es um den ersehnten Skandal steht, den man selbst herbeischreiben will. Der Artikel selbst will das Ganze differenziert betrachten, jedoch kann man zwischen den Zeilen lesen, wie enttäuscht die Autorin ist, dass der große Skandal ausbleibt.
Bei aller berechtigten Kritik an Phänomenen wie der „Corporate Wokeness“ – der Zeitgeist hat sich gedreht und Firmen rücken schneller wieder davon ab, als Boris Palmer das N-Wort aussprechen kann – treibt die Hetze gegen Wokeness inzwischen auch auf der linken Seite Blüten, die ich nicht mehr nachvollziehen kann.
Ich denke, das Thema wird eine Gratwanderung für die Linken: Rassismus und Ausgrenzung bekämpfen und gleichzeitig aufzeigen, wie die Rechte Kulturkämpfe ausnutzt, um zu punkten, und wie Verfehlungen aufgeplustert werden, wenn es die „Richtigen“ trifft.
Das macht aber leider Jason Arday nicht wieder lebendig...