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Die Schlacht um Algier inspiriert seit 60 Jahren zum Widerstand

Als »Die Schlacht um Algier« vor 60 Jahren bei den Filmfestspielen von Venedig gezeigt wurde, blieb die französische Delegation fern. Der unmittelbar nach dem algerischen Befreiungskrieg gedrehte Film von Gillo Pontecorvo hat bis heute nichts von seiner politischen Bedeutung eingebüßt.
Luca Peretti
Es war schwierig für Gillo Pontecorvo und seine Kollegen, die Finanzierung für Schlacht um Algier zu sichern, doch sie genossen in Algerien selbst starke Unterstützung. Laiendarsteller wirkten in dieser epischen Produktion mit, während das gerade befreite Algerien seinen Kampf auf der Leinwand neu inszenierte. IMAGO / Ronald Grant

Schon bevor Gillo Pontecorvos Die Schlacht um Algier am 31. August 1966 bei den Filmfestspielen von Venedig offiziell Premiere feiern sollte, hatte er für großes Aufsehen gesorgt. Die Jury unter dem Vorsitz des italienischen Schriftstellers Giorgio Bassani verlieh dem Film den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Festivals, »für den Mut, mit dem ein so schwieriges und höchst kontroverses historisches und politisches Thema angegangen wird, beziehungsweise für die Entschlossenheit, mit der es gelungen ist, ein solches Thema zu meistern«. Neben diesem Lob stieß der Film jedoch auch auf viel Gegenwind, der noch lange nach dem Kinostart anhalten sollte.

Die Delegation der französischen Regierung in Venedig weigerte sich, sowohl an der Vorführung als auch an der Preisverleihung zum Ende des Festivals teilzunehmen. Der leitende Vertreter Frankreichs, der Beamte und Autor Philippe Erlanger, stellt unmissverständlich klar: »Wir interpretieren die Berücksichtigung dieses Films beim Festival als ein Zeichen der Feindseligkeit gegenüber Frankreich.« Französische Filmkritiker sahen den Streifen zwar, äußerten sich aber größtenteils ebenfalls negativ. So schrieb Yvonne Baby in Le Monde: »Gillo Pontecorvo begeht den Fehler – mit irritierender Intensität (zu der die Musik wesentlich beiträgt) –, den Heroismus der algerischen Kämpfer zu betonen und ständig in Nahaufnahmen und in einem tragischen Zwielicht angespannte, gequälte Gesichter zu filmen, deren Mienen […] aber keinerlei Emotionen hervorrufen.« Frankreich war vier Jahre nach dem demütigenden Rückzug aus dem nordafrikanischen Land offenbar noch nicht bereit, den Algerienkrieg zu debattieren und zu verarbeiten.

Doch worum geht es in Pontecorvos Werk, und warum sollte man auch sechzig Jahre später noch über den Film sprechen?

Pionierarbeit

Die Schlacht um Algier konzentriert sich weitgehend auf eine lange und symbolträchtige Episode des Algerienkriegs (1954 bis 1962), nämlich die titelgebende Auseinandersetzung in der algerischen Hauptstadt 1957. Der Film beginnt mit einem Überfall französischer Fallschirmjäger auf das Haus einer kleinen Gruppe Militanter, allen voran Ali La Pointe, einem der Anführer der Algerischen Nationalen Befreiungsfront (FLN). In Rückblenden führt der Film die Zuschauenden in La Pointes politische und Guerilla-Vergangenheit ein. Er zeigt den sich entwickelnden Konflikt in Algier, vom Kampf um die Kontrolle über die Kasbah bis hin zum Versuch, den Widerstand auf den Rest der Stadt auszuweiten. Der Schluss zeigt dann die (weitgehend spontanen) Unruhen vom Dezember 1960, die schließlich 1962 zur Unabhängigkeit führen sollten.

»Wie es in der Kunst manchmal der Fall ist, übertraf das Ergebnis die Erwartungen bei Weitem: Die Schlacht um Algier wurde quasi umgehend zum Klassiker und zu einem Werk, das ›eine sich endlos erneuernde zeitgenössische Resonanz‹ genießt, wie der Filmhistoriker Nicholas Harrison feststellt.«

Im Film spielen fast ausschließlich Laiendarstellerinnen und -darsteller; gedreht wurde in einem realistischen, quasi-dokumentarischen Stil und ausschließlich vor Ort in Algier. Er entstand, nachdem der ehemalige algerische Guerillakämpfer und spätere Filmproduzent Yacef Saâdi mit seinem Wunsch, einen Film über den Unabhängigkeitskrieg zu drehen, auf den italienischen Regisseur Pontecorvo und den Drehbuchautor Franco Solinas traf, die ihrerseits daran interessiert waren, einen antikolonialen Film zu realisieren. Dieser sollte sich auf einen ebenso konkreten wie symbolischen Kampf konzentrieren, aber dennoch universelle Resonanz ermöglichen. Sowohl die italienische als auch die algerische Seite arbeiteten bereits an separaten Projekten, als sie sich 1964 trafen und beschlossen, zu kooperieren. 

Wie es in der Kunst manchmal der Fall ist, übertraf das Ergebnis die Erwartungen bei Weitem: Die Schlacht um Algier wurde quasi umgehend zum Klassiker und zu einem Werk, das »eine sich endlos erneuernde zeitgenössische Resonanz« genießt, wie der Filmhistoriker Nicholas Harrison feststellt. So wird der Film aktuell im Zusammenhang mit Palästina diskutiert sowie als Beispiel dafür gezeigt, wie Taktiken der Stadtguerilla auch in heutigen Kriegen noch angewendet werden können. Zudem werden immer wieder neue Aspekte und Protagonisten des Films entdeckt beziehungsweise wiederentdeckt: Auf dem Cover von Jeremy Hardings jüngstem Buch Analogue Africa ist ein Foto von Algeriern und Italienern zu sehen, die gemeinsam am Film arbeiten (unter anderem der Kameramann Marcello Gatti); und wir können dort auch die junge Sarah Maldoror erkennen, die erst kürzlich als eine der Pionierinnen des antikolonialen sowie afrikanischen Kinos Anerkennung fand.

Ein Film entsteht

Algerien war gerade unabhängig geworden, als Saâdi seine Filmproduktionsfirma Casbah Films gründete und mit der Planung eines Films über den Befreiungskrieg begann. Frankreich, das Algerien in den 1830er Jahren kolonialisiert hatte und es als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets betrachtete, wollte das Territorium nicht aufgeben, nachdem es bereits den Großteil seiner Kolonien verloren hatte, darunter die Nachbarländer Marokko und Tunesien sowie – nach einem langen und blutigen Krieg – Indochina. Filmschaffende aus aller Welt reisten nach Algerien, um die Ereignisse zu dokumentieren, oder drehten aus Solidarität Filme in ihren jeweiligen Ländern; zudem entstand das neue algerische Kino aus den Verheerungen des Krieges.

Saâdi, der von der FLN-geführten Regierung unterstützt wurde, entschied sich gerade deshalb für eine Zusammenarbeit mit Italienern, weil diese sich aktiv solidarisch mit den um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Algerierinnen und Algeriern gezeigt hatten. Pontecorvo war, wie mehrere Quellen berichten, nicht die erste Wahl, doch er und Solinas arbeiteten bereits an einem Projekt über Algerien. Der Arbeitstitel lautete Para, und die Idee befand sich bereits seit Anfang der 1960er Jahre in der Entwicklung. Die beiden reisten kurz nach der Unabhängigkeit nach Algerien, um Drehorte zu suchen und die lokalen Gegebenheiten besser zu verstehen. Nachdem es einige Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Produzenten gegeben hatte (Pontecorvo erzählte später der Journalistin Irene Bignardi in seinen Interview-Memoiren, potenzielle Produzenten hätten ihm gegenüber geäußert: »Niemand interessiert sich für Araber oder Schwarze«), beschloss der Regisseur, sich mit Antonio Musu zusammenzuschließen und eine eigene Produktionsfirma, Igor Film, zu gründen, die anschließend mit Casbah Films kooperierte.

»Tatsächlich lässt sich sagen, dass Pontecorvos Film (sowie andere, die von Saâdis Casbah Films produziert wurden) maßgeblich zur Entstehung einer Gruppe von Filmschaffenden beitrug, die später eine wichtige Rolle bei der Prägung des algerischen Kinos spielen sollten.«

Auch die Beschaffung der Finanzmittel gestaltete sich alles andere als einfach: Der italienische Regisseur und der Produzent setzten vor allem ihr eigenes Geld ein, doch auch die algerische Regierung investierte in den Film. Im Juni/Juli 1965 hielt sich Pontecorvo bereits in Algier auf, doch die eigentlichen Dreharbeiten begannen höchstwahrscheinlich erst im Juli oder August. Die Daten sind nicht unerheblich, denn der 19. Juni 1965 markierte einen Meilenstein in der algerischen Geschichte. Durch einen unblutigen Staatsstreich löste Houari Boumédiène Ahmed Ben Bella ab, der der erste Präsident des unabhängigen Algeriens gewesen war. Die viel erzählte Anekdote, wonach die Algerier die Panzer auf den Straßen sahen und dachten, es handele sich um die Dreharbeiten zu Die Schlacht um Algier, während in Wirklichkeit ein Putsch stattfand, ist wahrscheinlich nicht wahr (aus den bislang einsehbaren Dokumenten geht hervor, dass die Dreharbeiten wohl erst nach diesem Datum begannen). Dennoch spricht die Anekdote Bände darüber, wie wichtig und tiefgreifend der Film während seiner Entstehung in Algier wahrgenommen wurde. Hunderte algerische Menschen wirkten als Komparsen mit, die Stadt diente monatelang als Drehort (die Dreharbeiten endeten im Dezember), und die Zeitungen schwärmten. »Die Stadt wurde Gillo und seinem Team dargeboten, als wäre sie eine riesige Kulisse voller interessanter Gesichter, von denen einige als Statisten und für kleine Rollen ausgewählt wurden«, schreibt Bignardi.

Die Dreharbeiten waren in der zweiten Hälfte des Jahres 1965 offensichtlich ein bedeutendes Ereignis in Algerien. Sie fielen in eine Zeit, in der auch andere algerische Filme entstanden und das nationale Kino hinsichtlich der Produktion, aber auch des Vertriebs und der Schaffung neuer Filminstitutionen umstrukturiert und neu organisiert wurde. Die Schlacht um Algier wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1966 geschnitten und nachbearbeitet, zunächst vom neorealistischen Cutter Mario Serandrei und dann, nach dessen plötzlichem Tod, vom jungen Mario Morra. Wenig überraschend wurde der Film, als er im Juni 1966 in Algier (noch vor den Filmfestspielen von Venedig) im Beisein der algerischen Behörden sowie der Darsteller erstmals gezeigt wurde, mit großer Begeisterung aufgenommen. Loris Gallico, der Algerien-Korrespondent der Tageszeitung l’Unità der Kommunistischen Partei Italiens, stellte darüber hinaus fest, der Film sei »ein herausragendes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Algeriern und Italienern«.

Tatsächlich lässt sich sagen, dass Pontecorvos Film (sowie andere, die von Saâdis Casbah Films produziert wurden) maßgeblich zur Entstehung einer Gruppe von Filmschaffenden beitrug, die später eine wichtige Rolle bei der Prägung des algerischen Kinos spielen sollten. Wie Joan Mellen betont, reiste nur ein kleines italienisches Team nach Algerien: »Der Rest der an dem Film mitarbeitenden Personen bestand aus Algeriern, die, da sie zuvor noch nie an einem Film gearbeitet hatten, vor Ort in verschiedenen Fachbereichen geschult wurden. Das war natürlich Absicht der Casbah Film Company, die die Kooperation mit den Italienern vor allem als Mittel zur Ausbildung ihrer eigenen, heimischen Filmschaffenden betrachtete.«

Um neben Saâdi und dem nicht im Abspann genannten Maldoror nur zwei zu nennen: Moussa Haddad fungierte bei Der Schlacht als Regieassistent (und drehte später mehrere weitere Filme), und Ali Maroc, der wohl zu den bedeutendsten algerischen Fotografen und Kameramännern zählt, wurde als Kameraassistent ausgewählt. Für Nebenrollen, aber auch für die Rolle des Ali La Pointe (Brahim Hadjadj), wurden mehrere Laiendarsteller engagiert. Der linke französische Theaterdarsteller Jean Martin spielte Oberst Mathieu. Er wird meist als einziger professioneller Schauspieler des Films genannt, doch auch der große algerische Komödiendarsteller Rouiched und der wenig bekannte italienische Schauspieler Franco Morici (der nicht im Abspann genannt wird) übernahmen Nebenrollen.

Diplomatisches Tauziehen

In den Monaten vor der Aufführung in Venedig kam es zu intensiven diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Italien (sowie in geringerem Maße auch mit Algerien) – die bis heute in der Presse und in den Archiven der jeweiligen Außenministerien nachzuverfolgen sind. Filmfestivals waren damals diplomatische Veranstaltungen, bei denen nationale Kulturbehörden Filme zur Prüfung einreichten, anstatt dass diese von einer unabhängigen Kommission ausgewählt wurden. Für Venedig 1966 konnten der Regisseur Luigi Chiarini (der Gründer der italienischen Filmschule während der faschistischen Ära, der auch im Nachkriegsitalien weiterhin aktiv und einflussreich blieb) und sein Team allerdings eine kleine Anzahl direkter Einladungen aussprechen. So kam Pontecorvos Film mit auf die Liste; der offizielle italienische Beitrag war derweil Un uomo a metà von Vittorio De Seta. Algerien war nicht offiziell vertreten.

Die politischen und diplomatischen Kontroversen hatten bereits deutlich früher begonnen. Als das Drehbuch dem italienischen Minister für Tourismus und Unterhaltung vorgelegt wurde, um öffentliche Fördermittel zu erhalten, hielt der Bewertungsausschuss fest: »Wir sind uns bewusst, dass französische Kreise auf die Ankündigung dieses Films reagiert haben. Wir wissen jedoch nicht genau, um welche Art von Reaktionen es sich dabei handelt.« Die Teilnahme des Films an den Venediger Filmfestspielen wurde von den französischen Behörden als »unfreundlicher Akt« gewertet. Es wurde jedoch nie ein wirksames Veto eingelegt. Insgesamt spiegeln die Geschehnisse die seit langem vertretene italienische Haltung zum Algerienkrieg wider: Italienische Regierungen und die Ente Nazionale Idrocarburi (ENI), das staatliche Öl- und Gasunternehmen, bekundeten direkte oder indirekte Unterstützung für die Sache der Algerier, ohne jedoch jemals wirklich mit Frankreich zu brechen.

»Als denkbar wurde, dass Die Schlacht um Algier während des Festivals den Goldenen Löwen gewinnen könnte, sandte Fanfani sogar eine weitere Nachricht an den Ministerpräsidenten, in der er davon abriet, dem Film den Hauptpreis zu verleihen.«

Die französischen Behörden forderten im Vorfeld von Venedig die Streichung einzelner Szenen, die als »gegen Frankreich gerichtet« angesehen wurden, beispielsweise jene, in denen Folter gezeigt wird. Im Vorfeld der Vorführung in Venedig schrieb Italiens Außenminister Amintore Fanfani an Ministerpräsident Aldo Moro (der später von den Roten Brigaden entführt und ermordet wurde): »Die Reaktionen aus Paris sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht unbedingt beruhigend […] Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Möglichkeit in Betracht ziehen würden, persönlich bei meinem Kollegen Corona [dem damaligen Kulturminister] und beim Präsidium der Biennale zu intervenieren.«

Als denkbar wurde, dass Die Schlacht um Algier während des Festivals den Goldenen Löwen gewinnen könnte, sandte Fanfani sogar eine weitere Nachricht an den Ministerpräsidenten, in der er davon abriet, dem Film den Hauptpreis zu verleihen. Saâdi und Pontecorvo hatten bereits während der Dreharbeiten (und auch danach) ein kompliziertes Verhältnis zu den französischen Behörden. So wurde dem algerischen Ex-Guerillakämpfer die Einreise nach Frankreich verweigert. In einem internen Vermerk der Filmfestspiele von Cannes wurde er als »Anführer der algerischen Terroristen« bezeichnet. Pontecorvo, der jüdischer Herkunft war, war nach dem Inkrafttreten der italienischen Rassengesetze im Jahr 1938 nach Frankreich geflohen und stand unter starkem Einfluss der französischen Kultur. Dennoch wurde auch er ausgewiesen und erst nach einer offiziellen Beschwerde wieder ins Land gelassen. Seine Sicht der Dinge und seinen Einspruch hielt er in einem leidenschaftlichen Brief fest, der heute im Turiner Filmmuseum aufbewahrt wird.

Immer wieder aktuell

Nachdem der Film in Venedig den Hauptpreis gewonnen hatte, erlangte er umgehend Kultstatus. Dazu trugen verschiedene Faktoren bei, angefangen bei der Tatsache, dass Algier zur sogenannten »Hauptstadt der Dritten Welt« geworden war (eine Stadt, in der Revolutionäre aus der Hälfte des Globalen Südens eine Heimat fanden), bis hin zu den Protesten und Bewegungen des Jahres 1968, die den Film aufgriffen und ihn oft zeigten. Dies galt insbesondere für die Black Panthers und andere radikale Gruppen in den USA. Er wurde zu »dem Film, der Ende der 1960er Jahre Pflichtprogramm und so etwas wie ein Lehrmittel für radikalisierte Amerikaner und angehende Revolutionäre war, die sich gegen den Vietnamkrieg stellten«. In einem Artikel aus jener Zeit schrieb die Schwarze Aktivistin Francee Covington: »Wenn [Frantz Fanons] Die Verdammten dieser Erde das ›Handbuch für die Schwarze Revolution‹ ist, dann ist Die Schlacht um Algier sein filmisches Pendant.« Tatsächlich wurde der Film oft im Zusammenhang mit den Ideen und der Praxis des algerisch-martinikanischen Psychiaters und politischen Aktivisten Fanon betrachtet.

»In Italien war der Film ein Kassenerfolg, obwohl er von der rechtsradikalen Szene des Landes heftig attackiert wurde.«

Die Black Panthers zeigten ihn hunderte Male; er wurde sogar als Beweismittel in einem Prozess gegen die Gruppe angeführt, wobei behauptet wurde, er sei »von den Black Panthers zu Schulungszwecken genutzt worden und für alle Mitglieder Pflichtprogramm« gewesen. Während Algier zum Mekka der Revolution wurde, »trug der Film von Gillo Pontecorvo wesentlich dazu bei, das Bild Algeriens und seines Befreiungskriegs weltweit zu fördern«, so der algerische Filmhistoriker Ahmed Bedjaoui. In Pontecorvos persönlichen Unterlagen fand sich nach seinem Tod unter anderem eine Einladung zur Vorführung des Films im revolutionären Kuba.

In Italien war der Film ein Kassenerfolg, obwohl er von der rechtsradikalen Szene des Landes heftig attackiert wurde. Bei einer Aufführung im Jahr 1972 wurde das Kino Nuovo Olimpia in Rom von einer Gruppe Neofaschisten angegriffen, wobei ein Zuschauer schwer verletzt wurde. In Frankreich gestaltete sich der Vertrieb des Films erwartbar schwierig. Er wurde von der französischen Filmzensurbehörde nie offiziell zensiert. Vielmehr, wie Andrea Brazzoduro in seinem Buch über die Erinnerungen französischer Kriegsveteranen berichtet, fiel er »den komplexen Mechanismen der Selbstzensur und Unterdrückung zum Opfer, die die französische Haltung mit Blick auf die Kriegserinnerung prägen«. Letztendlich konnte der Film zum Jahreswechsel 1970/71 in französischen Kinos gezeigt werden – und wurde von Tausenden gesehen. Allerdings wurden die Kinos und Organisationen, die den Film zeigten, sowohl verbal als auch physisch angegriffen, wie Benjamin Stora und Patricia Caillé erinnern. Bald verschwand der Film weitgehend sowohl von der großen als auch von der kleinen Leinwand in Frankreich. Erst zu Beginn der 2000er Jahre, als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde, konnten die meisten Menschen endlich Die Schlacht um Algier sehen.

Sechzig Jahre später ist Die Schlacht um Algier nicht nur einer der Filme, die den historischen antikolonialen Kampf am besten beschrieben haben. Andre Nette schreibt in einem neuen Buch über politisches Kino vielmehr: »Einer der faszinierendsten Aspekte beim Sehen von Gillo Pontecorvos La battaglia di Algeri mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Veröffentlichung ist, wie aktuell sich die Bilder westlicher Soldaten anfühlen, die in einem arabischen Land eine Aufstandsbewegung blutig bekämpfen.« Das US-amerikanische Pentagon ließ den Film 2003 zeigen, um Guerillataktiken im Zuge des Irakkriegs zu studieren. Und wenn der Film heute in unzähligen Universitäten in die Lehrpläne aufgenommen wird, dann deshalb, weil er nach wie vor dazu beiträgt, Diskussionen über Gewalt und nationale Unabhängigkeit, Antikolonialismus sowie politischen Islam und vieles mehr anzuregen. Diese Themen werden so schnell nicht an Aktualität verlieren. Vermutlich werden wir auch in Zukunft weiter über Die Schlacht um Algier reden.


Der Autor bedankt sich bei Jennifer Burns, Luca Caminati, Andrea Gelardi, Alan O’Leary und Youri Hammache-Sigour.

Übersetzung von Tim Steins.

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