der fall von jason arday hört seit tagen nicht auf mich zu beschäftigen. erstens weil die leute auch nach seinem tod noch so wahnsinnig niederträchtig über ihn reden. und dann auch noch weil Linke sich über den Fall lustig gemacht hatten, obwohl es offensichtlich eine rassistische Hetzkampagne gab. ich frage mich oft, ob das so eine konsequenz der aktuellen anti-wokeness-ära ist? weil ja, natürlich machen wir alle klassenpolitik, gleichzeitig darf das aber nicht dazu führen, dass linksliberale forscher, die rassistischen hetzkampagnen auch bei linken nur noch augenrollen auslösen, bis es dann zu spät ist. finde das beschreibt auch ash sarkar in dem text sehr, was die dynamik mit einem selbst macht: gut: novaramedia.com/2026/08/17/r...
Hier wurde nicht nur latenter und offener Rassismus in der Gesellschaft durch eine völlig übertriebene Berichterstattung befeuert. Er wurde als Vertreter der „Wokeness“ identifiziert UND war schwarz. Daran konnten sich also nicht nur Hardcore-Rassisten, sondern auch Dieter-Nuhr-schauende, vermeintliche Vernunftbürger abarbeiten.
Besonders den Aufmerksamkeitsvergleich mit ähnlichen Fällen und die krasse Diskrepanz dazwischen beschreibt der Artikel von Ash Sarkar sehr gut.
Es wundert mich gar nicht, dass die konservative und rechte Presse inzwischen mehr Negatives über Wokeness schreibt als die liberale Presse Positives. Zum Beispiel hatte „FAZ.net“ (und nicht „Zeit Online“) vor ein paar Tagen einen Artikel über Blackfacing in der Provinz - und zwar als Hauptmeldung. Man hat ohne größeren Anlass eine Reporterin geschickt, nur um herauszufinden, wie es um den ersehnten Skandal steht, den man selbst herbeischreiben will. Der Artikel selbst will das Ganze differenziert betrachten, jedoch kann man zwischen den Zeilen lesen, wie enttäuscht die Autorin ist, dass der große Skandal ausbleibt.
Bei aller berechtigten Kritik an Phänomenen wie der „Corporate Wokeness“ – der Zeitgeist hat sich gedreht und Firmen rücken schneller wieder davon ab, als Boris Palmer das N-Wort aussprechen kann – treibt die Hetze gegen Wokeness inzwischen auch auf der linken Seite Blüten, die ich nicht mehr nachvollziehen kann.
Ich denke, das Thema wird eine Gratwanderung für die Linken: Rassismus und Ausgrenzung bekämpfen und gleichzeitig aufzeigen, wie die Rechte Kulturkämpfe ausnutzt, um zu punkten, und wie Verfehlungen aufgeplustert werden, wenn es die „Richtigen“ trifft.
Das macht aber leider Jason Arday nicht wieder lebendig...
@AndroiDreams ja, ich habe darüber in letzter zeit auch vermehrt nachgedacht. also ich frage mich, ob diese vehemente ablehnung (die es ja aus guten gründen gibt) langfristig dazu führt, dass auch die kleinen errungenschaften davon einfach verpuffen. dafür gibts ja schon viele indizien, männerbündelei in der linken ist ja zb auch wieder etwas, wo es heute niemanden mehr so richtig juckt und es vor ein paar jahren schon ein zumindest kleines level an sanktion dafür gegeben hat. das ist natürlich nicht das gleiche wie solche rassistischen hetzkampagnen, aber die empathielosigkeit, mit der sie selbst auf den fall geschaut hat, die ash in dem text beschreibt, hat auch in mir einen solchen reflexionprozess ausgelöst.