Ich komm nicht drauf klar: Nach der SPD gestern zeigen sich jetzt auch die Grünen offen für den BSW-Vorschlag eines »überparteilichen Ministerpräsidenten« für Sachsen-Anhalt. Ich war mir wirklich die längste Zeit nicht sicher, ob das BSW selbst das überhaupt ernst meint – es ist einfach so ein unpassend technokratisches Konzept für eine populistische Partei. Wenn das jetzt wirklich zum Tragen kommt, ist das der Plot Twist des Jahres.
Chef vom Dienst bei Jacobin.
»Bauchlinker Normie« laut jacobin.de/quiz
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"Ausgerechnet die demokratiefeindliche AfD schafft es, die resignierten Massen zur demokratischen Teilhabe zu animieren." - Welch Widerspruch. Vielleicht sollte die linke Bubble einsehen, dass Demokratie nicht bedeutet "Mehrheit für die richtigen Parteien", sondern Herrschaft der Mehrheit, wie auch immer sie dann im politischen System institutionalisiert ist. Evtl. klappt das Parteienverbot ja noch...
@Ibrahim_Orha Warten wir mal ab, was die AfD an der Macht macht, dann können wir besser beurteilen, ob sie Demokratie eher auf- oder abgebaut hat. Wenn sich Ulrich Siegmund als der neue Willy Brandt herausstellt, nehme ich alles zurück.
Wenn ich so die Reaktionen zur Wahl in Sachsen-Anhalt aus meinem alten Kiez Connewitz sehe, wird mir immer klarer, wie groß mit der geographischen auch die politische Distanz geworden ist.
Das ist jetzt vielleicht hart, aber man muss hier von identitärer Antifa sprechen, ganz nach Erich Fried:
»Ein Faschist, der nichts ist als ein Faschist, ist ein Faschist. Ein Antifaschist, der nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist.«
Stay safe Leute, konkreter Selbstschutz wird wahrlich so nötig wie seit den 90ern nicht mehr. Aber Antifa als politisches Programm, wenn es denn je eins war, ist gescheitert.
@snips Starkes Zitat, hätten wir auch auf die aktuelle Ausgabe drucken können.
Sachsen-Anhalt offenbart den Bankrott der »Demokratieverteidigung«
Wie es aussieht, könnte es drei Linke-Direktmandate geben, in den Wahlkreisen Magdeburg II sowie Halle II und III.
Hot Take: Die Linke hat in Sachsen-Anhalt vor allem deswegen abgekackt (bis zu 4 % im Vergleich zu dem Umfragen verloren ), weil sie den Menschen mit der Ankündigung die CDU zu stützen letztlich versprochen hat, den beschissenen Status Quo zu verteidigen. Die Linksliberalen wählten lieber das Original, die Grünen . Die Strategie und Politik der in Sachsen-Anhalt domierenden Reformer*innen in der Linken ist es, die heute krachend gescheitert ist. Die Linke, auch in Berlin , muss jetzt daraus lernen und einen vom politischen Zentrum unabhängigen eigenen sozialistischen Kurs fahren.
@fabiannehring Die Wählerwanderung von der Linken könnte man auch so interpretieren, dass paar Zehntausend Leuten der Bruch mit dem Status quo wichtiger war als zusammen mit der CDU »die Demokratie« zu retten, und daher zu AfD und BSW gegangen sind. Zu den Grünen offenbar gar nicht soo viele.
Die AfD hat in allen Klassen gewonnen, aber am deutlichsten mal wieder unter Arbeitern.
@thomaszimmermann Ich denke 3 CDUler laufen noch über, da die in dieser Partei keine Zukunft für ihre Karriere sehen.
@Schiebermatzen Durchaus möglich. Oder es könnte die CDU-Fraktion direkt spalten. Ganz abgesehen davon, dass bei dem Ergebnis auch Sven Schulze ganz schnell weg vom Fenster sein könnte.
@lorenbalhorn @thomaszimmermann ja, zum taktischen Wählen wäre die Wählerwanderung mal interessant. Wurde bei mir im Umfeld auch stark propagiert.
@VvolffM @lorenbalhorn Die Wählerwanderung sieht so aus für die Grünen. Überraschenderweise scheinen sie mehr von der CDU geholt zu haben als aus dem linken Lager.
Wäre irgendwie schon verdient für alle Beteiligten, wenn ausgerechnet das BSW der AfD die absolute Mehrheit kostet.
@lorenbalhorn Einige Wähler, die zwischen AfD und BSW geschwankt haben und sich für die letztere Partei entschieden haben, werden sich jetzt sicher ärgern. Aber die Vibes zwischen Alice Weidel und Claudia Witting waren vorhin ganz gut im ARD-Studio, also mal sehen.
@thomaszimmermann Ich tippe auf CDUler wechlsen die Farben.
@lorenbalhorn Sollte im Laufe des Abends das BSW doch noch unter 5 Prozent rutschen und die AfD noch ein bisschen an Stimmen dazugewinnen, könnte es vielleicht doch noch eine absolute Mehrheit werden.
Wenn das Endergebnis heute Abend halbwegs der Erstprognose ähnelt, dann bestätigt es nochmal die These aus unserer aktuellen Ausgabe, dass der Antifaschismus sich nicht in "gegen Rechts" erschöpfen kann. Die Linke schafft es, trotz Neuaufstellung auf Bundesebene und verbesserter Auftritt, nicht, ihr Ergebnis zu verbessern, sondern erzielt ihr schlechtestes LTW-Ergebnis in Sachsen-Anhalt aller Zeiten. Das liegt bestimmt zum Teil an Taktisches Wählen, dass manche Linke-Wähler für Grün oder SPD optiert haben, aber vermutlich bedeutet es auch, dass die Partei es kaum geschafft hat, Nicht-Wähler oder Menschen ausserhalb des existierenden Umfelds zu mobilisieren. Stattdessen verliert sie an die Konkurrenz, mit der sie die AfD von der Macht fernhalten wollte.
Dass 44% für die AfD eine Katastrophe ist für die demokratisch verfasste Gesellschaft ist ohnehin klar, war aber zu erwarten. Dass Die Linke aber in dieser zugespitzen Situation auch dabei verliert, weniger. Bitter.
@lorenbalhorn Zumal die Wahlbeteiligung ja sehr hoch gewesen ist bei dieser Wahl. Das sollte eigentlich etwas Gutes sein für die Linke.
Die erste Prognose ist da:
Unglaublich: Der SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann nennt das Ergebnis seiner Partei »stabil«. 8 Prozent sind jetzt schon »stabil«...
@thomaszimmermann Taktisch Wählen scheint für die Grünen wirklich funktioniert zu haben. Bringt natürlich nichts, aber Glückwünsch um die Posten.
@lorenbalhorn Und wie auch immer man die Strategie des BSW bezeichnen will – die hat offenbar auch gerade gut genug funktioniert. Natürlich eine Bruchlandung, wenn man bedenkt, dass es mal über 20 Prozent in Umfragen hatte, aber trotzdem eine Landung.
Es sieht danach aus, dass der unwägbarste aller Fälle eintreten könnte: Die AfD hat keine absolute Mehrheit, aber das Anti-AfD-Lager auch nicht, und dazwischen steht das BSW.
Dessen Vorschlag, eine überparteiliche Regierung mit wechselnden Mehrheiten einzusetzen, wurde bislang von kaum jemandem ernst genommen. Das BSW könnte aber auch doch noch durch Enthaltung im dritten Wahlgang eine AfD-Minderheitsregierung ermöglichen, was Ulrich Siegmund aber im Vorfeld abgelehnt hat. Oder es könnten ein paar CDU-Abgeordnete, die mit der AfD sympathisieren, einfach überlaufen. Wie der Wahlspruch von Siegmund lautet: »Alles ist möglich.« Oder haltet ihr irgendeines dieser Szenarien für komplett ausgeschlossen?
Die erste Prognose ist da:
Wie schlimm wird der Wahlausgang heute Abend sein?
In Thüringen treten die BSW-Minister um Katja Wolf aus dem BSW aus, bleiben aber in der Brombeer-Regierung. Hat sich Netflix schon die Rechte gesichert, aus der Geschichte eine Serie zu machen? Einfach jede Folge ein Banger!
@fabiannehring @marlenborchardt In dem Fall finde ich die »Blöcke« tatsächlich passender als die »Klassen«. Bin aber persönlich dafür, auch nicht-marxistische Begriffe zu verwenden, wenn sie sich in der Öffentlichekeit beweisen, wie »Establishment« oder auch »Tech-Oligarchen«. Es soll ja auch Spaß machen 😊
Im neuen Jacobin Journal geht es um Sachsen-Anhalt. Aber zwischen den Zeilen stellt sich eine andere Frage, die ich ganz interessant finde – die nach dem »Establishment«.
Ich schreibe in meinem Artikel, dass »das Establishment das BSW nicht als eigenständige politische Kraft fürchtet, sondern als potenziellen Siegmund-Steigbügelhalter«. Und an späterer Stelle, dass »die Linke nicht selbst Teil des Establishments sein« bzw. werden dürfe.
@marlenborchardt spricht wiederum in ihrem Artikel von rechten »Attacken gegen ein Establishment, zu dem die AfD eigentlich selbst gehört«.
Also was denkt ihr: Wer gehört alles zum Establishment – und in welchem Sinne?