ich finde es fasziniert, dass die grünen wahltechnisch gesehen aus extremwetterereignissen keinen profit schlagen können. ich dachte wirklich wegen fukushima, die partei bräuchte einfach katastrophen, gerade mit blick auf klima, und davon gibts ja aktuell genug. aber es transferiert sich überhaupt nicht in den umfragen, dabei ist das ja – neben demokratischer vaterlandsverteidigung – ihr USP.
@magdalena Und was dann in den großen Medien als progressiver Take gilt: Solidarität mit Sanchez, der ja eh rechtzeitig und brav Frontex-Politik betrieb.
@ant ja voll, hab viel über sanchez nachgedacht die letzten tage, weil er so eine seltsame rolle halt. einerseits hassen sie ihn als letzten progressiven eh wie die pest, andererseits ist ihr natürlich bei den großen fragen zur grenzpolitik on line. spanien hat ja auch vor allem deshalb migrant:innen legalisiert, weil sie die für ihre wirtschaft brauchen..
Mindestens 70 Menschen starben am Wochenende bei dem Versuch, die marokkanisch-spanische Grenze zu überwinden. Noch immer stecken Hunderte in der spanischen Exklave Ceuta fest – ohne ausreichende Versorgung. Das ist die Krise, die es aktuell an den europäischen Außengrenzen gibt. Von dem angeblichen »Sturm auf Europa«, den nicht wenige Journalistinnen und Politiker herbeipropagierten, blieb schon nach 48 Stunden nicht viel übrig.
Die Mehrheit der rund 60.000 Menschen, die sich nach Ceuta aufgemacht hatten, verließ den Ort schon nach kurzer Zeit wieder. Für die extreme Rechte Europas – und auch das inzwischen oft kaum weniger extreme Zentrum – fühlten sich die Bilder wohl dennoch an, als würden Ostern und Weihnachten zusammenfallen. In selten trauter Einigkeit warfen 22 EU-Chefs dem spanischen Premier Pedro Sánchez vor, er habe mit der Legalisierung von hunderttausenden Migrantinnen und Migranten »Pull«-Faktoren geschaffen.
Dabei war Ceuta mit hoher Wahrscheinlichkeit kein organisches Ereignis: Es gibt guten Grund zur Annahme, dass Marokko die Menschen zumindest an der Grenze durchgewunken hat und auch dafür, dass eine Falschinformationskampagne in den sozialen Medien gestartet wurde, um Leute zum Grenzübertritt zu bewegen. Viele Accounts, die einen einfachen Zugang nach Europa versprachen, existieren heute schon nicht mehr.
In der EU hat man aber offenbar kein großes Interesse daran, aufzuklären, was wirklich passiert ist. Warum auch? Sollte es tatsächlich eine Beeinflussung Marokkos durch die USA und Israel gegeben haben, die beide im geopolitischen Clinch mit Spanien liegen, will niemand das ohnehin angespannte Verhältnis weiter belasten. Zudem ist Ceuta der perfekte Anlass, um die weitere Militarisierung der EU-Außengrenzen voranzutreiben. Und da sie die großen Krisen der Gegenwart ohnehin nicht lösen können, wollen europäische Staats- und Regierungschefs zumindest Handlungsfähigkeit simulieren. Auf Kosten all jener Migrantinnen und Migranten, die erneut zum Spielball geopolitischer Interessen wurden.
@magdalena Die nächste ironische Wendung wird dann sein, dass Leute sich jetzt überall Klimaanlagen einbauen, aber es bei der größten Hitze/Dürre immer gleichzeitig Probleme beim Strom geben wird, weil die Flüsse leer sind, daher die Wasserkraft schwächelt und (in anderen Ländern) die Atomkraftwerke runterfahren müssen.
@thomaszimmermann ja genau, es ist eigentlich vollkommen wahnsinnig, vor allem weil politisch alle so hihi haha sind und es ignorieren
in teilen österreichs gibt es aktuell wasserknappheit. das erste, was die leute dann quasi nicht mehr dürfen/sollen, ist ihre pools befüllen. es ist irgendwie ironisch, dass privatpools überhaupt erst mit dem fortschreiten der klimakrise so geboomt haben. die leute haben ja besonders in der pandemie begonnen, sich die dinger reihenweise in den garten zu stellen. das lag damals natürlich auch daran, dass man sonst nichts machen konnte – aber mit dem schließen von schwimmbädern ist das einfach auch teil einer bewegung weg von öffentlicher infrastruktur hin zu einer vollkommen unnachhaltigen privaten.
@Niklas_aus_MV Macht es einen zum bauchlinken Normie, wenn man nicht weiß, was ein/eine ipdol chaya ist?
@magdalena David argumentiert im neuen Catalyst gerade, dass dieser Ruf, den Sanchez hat, eigentlich ein bisschen unverdient ist. catalyst-journal.com/2026/07...
@jonasthiel_32 ja, das meinte ich eben. er macht durchschnittliche politik, aber weil alle anderen gar keine sozialdemokratische politik machen, wird er irgendwie zur heldenfigur
was war für euch das wichtigste politische thema in den letzten tagen?
pedro sanchez ist der letzte politiker europas, der durchschnittliche sozialdemokratische politik macht und schafft es alleine damit, zur hoffnungsfigur aller progressiven wie zur persona non grata der rechten zu werden.
für spanische linke muss sich das ungefähr so anfühlen wie für mich, wenn leute aus dem ausland das rote wien loben. oder für linke in paris, wenn ihre klimafreundliche stadt gelobt wird
pedro sanchez ist der letzte politiker europas, der durchschnittliche sozialdemokratische politik macht und schafft es alleine damit, zur hoffnungsfigur aller progressiven wie zur persona non grata der rechten zu werden.
dass sich in hitzewellen immer klassenfragen zeigen, ist unbestritten, aber ich finde es interessant, wie kleinteilig sich das teilweise aufschlüsseln lässt. manchmal ist es gar nicht einfach nur der zugang zu klimatisierten räumen oder möglichkeit zum urlaub, sondern die frage, wer die option hat, ein paar tage zur familie aufs land zu fahren.
Zu viel resignierende, anti-soziale Bundespolitik.
Auf dass die DGB-Sozialstaatsdemo am 26. September den Aktivisti in mir und die Hoffnung auf linke Alternativen wieder pusht
@Niklas_aus_MV haha!
in anbetracht der tatsache, dass es in wien ca 40 grad nächste woche bekommt – wann habt ihr das letzte mal eine politische auseinandersetzung mit der klimakrise gesehen, die euch bereichert hat? oder wo ihr das gefühl hattet, das könnte ein weg nach vorne sein?
wien ist truly italien
Folgendes: Wir kündigen das morgen auch groß öffentlich an, aber wir haben eine monatliche Advice-Kolumne von Şeyda Kurt entworfen. Den ersten Text könnt ihr hier schon lesen, da geht es darum, wie man damit umgehen soll, wenn der Partner (zumindest beruflich) andere Werte vertritt als man selbst. Wenn ihr selbst eine Frage habt, dann stellt sie gerne hier. Ich glaube, das kann super spannend werden: jacobin.de/kann-ich-als-link...
Şeydas Corner
Şeyda Kurt schreibt eine monatliche Advice-Kolumne für Jacobin. Ihr habt eine private Frage, die irgendwie auch politisch ist? Hier könnt ihr sie stellen.
Schon wieder unzureichende Auswahlmöglichkeiten. Wann werd ich mal abstimmen können 🤷🏽♂️
@christianhofmann wo? haha
Langsam macht mir die Aufrüstungsbereitschaft in Deutschland immer mehr angst. Gestern lief im Deutschlandfunk eine Diskussionsrunde über das Thema "Wird die Autoindustrie zur Aufrüstungsindustrie". Viele Anrufer wirkten so, als seien sie schon komplett auf dem Film, dass Deutschland aufrüsten muss und brachten auch schon Ideen ein, was die Autokonzerne als sogenannte "dual use Produkte" herstellen können. Das ganze macht mich echt traurig. #Kriegstüchtigkeit #Aufrüstung
@SpittyO wir hatten vor ein paar wochen mal diesen text, der mit blick auf KI die frage von dual use ziemlich gut aufgeworfen hat, es ist wirklich truly scary jacobin.de/kohle-ki-kriegswi...
ich habe in den letzten wochen gemerkt, dass ich zu voll vielen themen nicht mehr so richtig was zu sagen habe, weil sich die argumente immer wiederholen in die unendlichkeit. aber dann wurde ich heute morgen von so einer klassischen woke vs. antiwoke musik-diskussion getriggert (eine junge musikerin hat dem austropop star ludwig hirsch pädophilie vorgeworfen, dabei hat er die mit seinen texten eigentlich kritisiert). das füllt jetzt wochenlang Feuilleton in österreich als hätten wir 2018
dabei gehts auch viel um falco und ähnliche künstler , der wird ja als nationalheld bis auf blut verteidigt. und grad bei falco denke ich mir immer wieder, ich kann so ein richtiges fan-sein, und die psychologischen gefühle dahinter, irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen. bei ihm ist der sexismus und die gewalt gegenüber frauen total offensichtlich. dass es teil von fankultur ist, sowas zu leugnen, hat mich immer gleichzeitig fastiniert und irritiert. also was menschen dazu bringt, dieses bild einer idealen person immer aufrecht zu erhalten.
ich habe in den letzten wochen gemerkt, dass ich zu voll vielen themen nicht mehr so richtig was zu sagen habe, weil sich die argumente immer wiederholen in die unendlichkeit. aber dann wurde ich heute morgen von so einer klassischen woke vs. antiwoke musik-diskussion getriggert (eine junge musikerin hat dem austropop star ludwig hirsch pädophilie vorgeworfen, dabei hat er die mit seinen texten eigentlich kritisiert). das füllt jetzt wochenlang Feuilleton in österreich als hätten wir 2018