»Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles fünfzig Jahre später«, hat der Komponist Gustav Mahler angeblich einmal gesagt und allem Anschein nach trifft das auch auf die österreichische Sozialdemokratie zu. Vor wenigen Tagen kündigte Gerhard Zeiler an, Andreas Babler den Vorsitz als SPÖ-Chef streitig machen zu wollen. Ein konkretes Programm hat der 71-jährige Millionär, der die letzten Jahre als Chef von Warner Media International in New York verbracht hat, nicht, dafür aber Ambitionen, das Erfolgsprojekt »Dritter Weg« in der Sozialdemokratie dreißig Jahre zu spät endlich nach Österreich zu bringen. »Ich bin kein Marxist, ich bin auch kein Klassenkämpfer. Ich bin klassischer Sozialdemokrat«, verkündete er stolz. Mit dieser feinsäuberlichen Trennung sagt er wohl mehr über den Zustand der Sozialdemokratie aus, als ihm bewusst ist.
Besondere Rückendeckung bekommt Zeiler von der Kronenzeitung – ein Schelm, wer denkt, es könnte bei diesem medialen Engagement darum gehen, dass die SPÖ aktuell die Medienförderung zu finanziellen Ungunsten des Boulevards neu aufstellen möchte. Weite Teile der Presse verachten Babler – aber nicht, weil das Leben trotz sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung immer teurer wird, sondern weil er es vor Jahren wagte, sich als Marxist zu bezeichnen. Dagegen kann der Boulevard alle paar Monate einen neuen Kandidaten ins Rennen schicken. Aber im Kampf gegen steigende Mieten und Lebensmittelpreise bleiben die Menschen in Österreich weiterhin alleine.
Entschuldigung bitte, dass ich euch mit ösi Befindlichkeiten belästige, ich gelobe Besserung