Ebenfalls zu empfehlen: woz.ch/2643/die-sprache-der-...
@C_Ondreka @magdalena cool! Ja Alain Bertho ist auch immer zu empfehlen 😊
Diskussion
Kommunistin aus FR (Beiträge für die Online-Zeitung nosrevolutions.fr)
Ebenfalls zu empfehlen: woz.ch/2643/die-sprache-der-...
@C_Ondreka @magdalena cool! Ja Alain Bertho ist auch immer zu empfehlen 😊
Wer in den vergangenen Wochen Bilder aus Frankreich verfolgt hat, kam nicht umhin, ein warmes Gefühl der Hoffnung zu verspüren. Da war etwa der Bürgermeister von Saint-Denis Bally Bagayoko, der sich schützend vor die Protestierenden stellte und dafür selbst Tränengas abbekam. Oder die Dutzenden Schülerinnen und Schüler, die sich begeistert um Jean-Luc Mélenchon scharrten, der sich zur Unterstützung in die Menge begab. In Frankreich schien etwas zu gelingen, das hierzulande selten vorkommt: Unterschiedliche Gruppen – von Lehrkräften, Schülerinnen und Gewerkschaftern bis hin zu Politikerinnen und Eltern – kämpften Seite an Seite für ein gemeinsames Ziel. Sie verbanden Kritik an den maroden französischen Schulen mit einer Kritik über die politische Richtung des Landes.
Diese Bilder haben rechte Kräfte in Deutschland wenig interessiert. Warum auch, widerständige Jugendliche, die massiver Polizeigewalt ausgesetzt sind, kann man schwer für die eigene politische Agenda instrumentalisieren. Aber seit es am Samstag zu größeren Zusammenstößen kam, dominiert eine Erzählung unter Konservativen: Die Ausschreitungen seien die Schuld des »politischen Islam« (Sebastian Kurz)/ »migrantischer Milieus« (Alexander Dobrindt)/ der »gescheiterten Integration« (FAZ)/ (beliebiges Buzzword einfügen) in einer unheiligen Allianz mit den »Linksextremen«, die gemeinsam den Westen »zerstören« möchten. Islamo-Gauchisme, wie er leibt und lebt.
Mit diesen rassistischen Zuschreibungen soll die soziale Realität der Proteste überdeckt werden. Denn mit der Wut auf Frankreichs Straßen werden die sozialen Fragen der Gegenwart verhandelt. Fragen der Bezahlbarkeit, der Verelendung, der Perspektivlosigkeit in vielen der Pariser Vororte, die nicht zuletzt durch den Ex-Banker Emmanuel Macron verstärkt wurden.
Gleichzeitig sind die Demonstrationen urfranzösisch und das nicht nur wegen des Sturmes auf die Bastille. Nicht umsonst gibt es unter den Protestierenden viele Bezugnahmen auf 1968, wo sich Studierendenproteste binnen weniger Wochen zu einem Generalstreik entwickelten. Damals ging Präsident Charles de Gaulle sogar einen Tag lang ins Exil nach Baden-Baden – wenig später errangen die Gaullisten trotzdem einen großen Erfolg bei den Parlamentswahlen. Ob es heute gelingt, die Wut in einen politischen Prozess zu kanalisieren, der die französische Gesellschaft transformieren kann, ist noch offen. Diese Wut auf Migration zu reduzieren, ist allerdings eine glatte Lüge.
Wer in den vergangenen Wochen Bilder aus Frankreich verfolgt hat, kam nicht umhin, ein warmes Gefühl der Hoffnung zu verspüren. Da war etwa der Bürgermeister von Saint-Denis Bally Bagayoko, der sich schützend vor die Protestierenden stellte und dafür selbst Tränengas abbekam. Oder die Dutzenden Schülerinnen und Schüler, die sich begeistert um Jean-Luc Mélenchon scharrten, der sich zur Unterstützung in die Menge begab. In Frankreich schien etwas zu gelingen, das hierzulande selten vorkommt: Unterschiedliche Gruppen – von Lehrkräften, Schülerinnen und Gewerkschaftern bis hin zu Politikerinnen und Eltern – kämpften Seite an Seite für ein gemeinsames Ziel. Sie verbanden Kritik an den maroden französischen Schulen mit einer Kritik über die politische Richtung des Landes.
Diese Bilder haben rechte Kräfte in Deutschland wenig interessiert. Warum auch, widerständige Jugendliche, die massiver Polizeigewalt ausgesetzt sind, kann man schwer für die eigene politische Agenda instrumentalisieren. Aber seit es am Samstag zu größeren Zusammenstößen kam, dominiert eine Erzählung unter Konservativen: Die Ausschreitungen seien die Schuld des »politischen Islam« (Sebastian Kurz)/ »migrantischer Milieus« (Alexander Dobrindt)/ der »gescheiterten Integration« (FAZ)/ (beliebiges Buzzword einfügen) in einer unheiligen Allianz mit den »Linksextremen«, die gemeinsam den Westen »zerstören« möchten. Islamo-Gauchisme, wie er leibt und lebt.
Mit diesen rassistischen Zuschreibungen soll die soziale Realität der Proteste überdeckt werden. Denn mit der Wut auf Frankreichs Straßen werden die sozialen Fragen der Gegenwart verhandelt. Fragen der Bezahlbarkeit, der Verelendung, der Perspektivlosigkeit in vielen der Pariser Vororte, die nicht zuletzt durch den Ex-Banker Emmanuel Macron verstärkt wurden.
Gleichzeitig sind die Demonstrationen urfranzösisch und das nicht nur wegen des Sturmes auf die Bastille. Nicht umsonst gibt es unter den Protestierenden viele Bezugnahmen auf 1968, wo sich Studierendenproteste binnen weniger Wochen zu einem Generalstreik entwickelten. Damals ging Präsident Charles de Gaulle sogar einen Tag lang ins Exil nach Baden-Baden – wenig später errangen die Gaullisten trotzdem einen großen Erfolg bei den Parlamentswahlen. Ob es heute gelingt, die Wut in einen politischen Prozess zu kanalisieren, der die französische Gesellschaft transformieren kann, ist noch offen. Diese Wut auf Migration zu reduzieren, ist allerdings eine glatte Lüge.
@magdalena Ich empfehle diesen meines Erachtens sehr sehr guten Textes eines französischen Genossen. Leider auf Französisch aber ich denke mit KI lässt er sich relativ einfach übersetzen. nosrevolutions.fr/2026/10/21...
Die Proteste zu begrüßen und sich gleichzeitig von Gewalttätigen und Plünderern zu distanzieren ist wie schon an anderer Stelle hier in der Community erwähnt ziemlich deutsch und klassistisch. Die unbändige Wut die dieses System hervorbringt mit den ganzen Abwertungen, täglicher Diskriminierung, Scheissjobs, einem miesen Schulsystem etc. muss raus. Wenn noch Waren dabei rausspringen, die einem ein paar Euro extra bringen ist das so.
Alle die meinen sich über diese Menschen zu stellen empfehle ich das neue Buch von Olivier David "Die Armen liefern die Leichen". Er bringt es sehr gut auf den Punkt wie existenziell es ist sich zu erheben. Widerstand zu leisten. (letatl.in/products/olivier-d...)
»Auf Distanz zu Methoden des Kampfes zu gehen, bedeutet nicht, auf Distanz zu diesem Kampf zu gehen.« sagt Melenchon
Die Kämpfe sind der Brutalität des Systems geschuldet. Sie sind notwendig. Die Wut in eine produktive Form zu kanalisieren ist die Aufgabe aller beteiligten Organisationen.
Solidarität ist eine Waffe, wenn sie keine Spaltung zulässt.
@C_Ondreka Was die Plünderungen angeht, da würde ich aber nicht von Wut sprechen.
Ich habe mir bewusst nicht viele Bilder und Videos zu den Riots in verschiedenen französischen Städten angesehen. Die unfassbare Wut auf die Verhältnisse die alles brennen lässt bis hin zu gezielten Plünderungen ergeben immer wieder das selbe Bild. Ein prekärer Ausnahmezustand der nichts an den politischen Verhältnissen ändert. Das war auch schon bei den Gelbwesten so. Ich kenne die Situation in den betroffenen Städten zu wenig um wirklich viel dazu zu sagen. Nur glaube ich nicht, das dies sich allein über eine Partei einfangen lässt. Im Endeffekt bräuchte es mehr Selbstorganisation, zu der eine Partei wie LFI beitragen kann ohne der eine auf gute Wahlergebnisse ausgelegte Form überzustülpen. Da sind aber auch jene organisierten Strukturen gefragt die alle Jahre wieder Riots anheizen. Wut, ohne das sie produktiv kanalisiert wird kann nichts positiv verändern. Der konstruktive Kern aus den Schülerinnenprotesten und Gewerkschaften sollten sich zusammensetzen um anschließend an den gemachten Erfahrungen vom Mai 68 und dem damaligen Scheitern Lösungen zu finden, die im hier und jetzt tragfähig sind. Und LFI und die anderen linken Parteien sind am Ende dieses Prozesses diejenigen die eine Form finden müssen gemeinsam mit der Straße und den selbstorganisierten lokalen Basisgruppen eine neue Republik zu entwickeln und durchzusetzen.
@C_Ondreka @magdalena Leider wird sowohl in den Medien als auch in der öffentlichen Wahrnehmung (auch innerhalb der Linken) viel zu wenig zwischen den Protesten und den Plünderungen differenziert.Was die Proteste betrifft, so geht die Gewalt in erster Linie von der Polizei aus. Die französische Polizeidoktrin ist nicht auf Deeskalation ausgerichtet.Was die Plünderungen angeht, weiß man mittlerweile etwas mehr über das soziale Profil der daran beteiligten Jugendlichen: Sie gehören zu einer noch stärker verarmten Schicht des Proletariats als die protestierenden Schülerinnen und Schüler aus den Vororten. Es handelt sich um Jugendliche, die sich teilweise nicht einmal genug zu essen leisten können. Deshalb ist es auch müßig, wie ich es zum Beispiel bei der Pressekonferenz der Linken hören konnte, diesen Jugendlichen moralische Vorhaltungen zu machen und ihnen zu erklären, dass dies nicht die richtige Art sei, zu protestieren. humanite.fr/politique/banlie...