Spaniens soziale Revolution gegen den Faschismus
Der Spanische Bürgerkrieg wird oft als Kampf zwischen Demokratie und Faschismus dargestellt. Doch ein solcher Ansatz wird der gesellschaftspolitischen Realität Spaniens in den 1930er Jahren nicht gerecht. Die soziale, wirtschaftliche und politische Polarisierung im spanischen Staat in den Jahren vor dem Bürgerkrieg und das daraus resultierende Scheitern der bürgerlichen Demokratie führte zum Ausbruch des bewaffneten Konflikts und der Revolution.
Der Wahlsieg der Volksfront im Februar 1936 leitete nicht etwa eine neue Phase sozialer Reformen ein, sondern machte die Unfähigkeit der republikanischen Demokratie, die Macht der dominanten Klassen zu überwinden, offenkundig. Diese waren ihrerseits entschlossen, jede Infragestellung ihrer Macht zu verhindern. Der Triumph der Volksfront entfesselte neue Wellen jener Art von Mobilisierung der arbeitenden Massen in Stadt und Land, die bereits die republikanische Regierung von 1931 zu unterdrücken versuchte. Die Rechte ihrerseits gab 1936 setzt nun nicht mehr darauf, die republikanische Demokratie von innen heraus zu zerstören, sondern entschied sich nun für einen Militärputsch.
Arbeiterbewegung
Die Zukunft der Republik hing nicht nur vom Handeln ihrer rechtsgerichteten Feinde ab, sondern auch von der Arbeiterbewegung. Was den von Largo Caballero angeführten revolutionären Flügel der Sozialisten betrifft, so weigerte sich dieser 1936, seine Politik der Regierungsbeteiligung von 1931–33 zu wiederholen. Er bestand darauf, dass die Sozialdemokratische Spanische Arbeiterpartei (PSOE) sich nicht an der neuen Regierung beteiligte. Sie überließ den Parteien der republikanischen Linken die Aufgabe, »die bürgerliche Revolution zum Abschluss zu bringen«.
Diese schematische Sichtweise des Marxismus führte dazu, dass Largo Caballero und seine Anhänger keine Strategie zur Übernahme der Macht hatten. Der linke Flügel der PSOE wartete passiv darauf, dass die Republikaner einer sozialistischen Regierung den Weg für die Übernahme der Macht freimachen würden. Im Gegensatz dazu sprach sich der rechte, »realpolitische« Flügel der PSOE um Indalecio Prieto, unterstützt von der kommunistischen Partei (PCE), dafür aus, die Koalitionsregierung mit den linken Republikanern zu wiederholen und so das republikanische Reformprogramm zu vollenden. Die Linke in der PSOE wurde nach dem Verlust eines Teils seiner Basis an den Stalinismus (insbesondere durch die Vereinigung der Sozialistischen Jugend (FJS) mit der Kommunistischen Jugend zur Vereinigten Sozialistische Jugend (JSU)) von den Ereignissen überrollt. Schließlich nahm sie es hin, dass die PSOE als ganze schließlich die gleiche Politik vertrat wie ihre »realpolitischen« Rivalen in der PSOE.
Am Vorabend des Bürgerkriegs hatte die anarchistische CNT großen Einfluss auf die katalanische Arbeiterbewegung. Sie war auch in Andalusien, Aragon und in der Region Valencia stark. Darüber hinaus verfügte die CNT auch in Asturien und Madrid, wo historisch gesehen die Sozialisten die stärkste Kraft in der Arbeiterbewegung waren, über eine beträchtliche Stärke.
»Die Tatsache, dass es eine große revolutionäre Partei 1934 nicht gab, war nach Meinung der POUM ein entscheidender Grund für das Scheitern der Bewegung von 1934 gewesen. Die POUM als neue Partei hoffte, die radikalsten Teile der Sozialisten, insbesondere die Jugend, für sich zu gewinnen.«
In den Reihen der Anarchisten gab es zu dieser Zeit tiefgreifende Differenzen zwischen Anarchosyndikalisten auf der einen und verschiedenen rein anarchistischen Sektoren, deren wichtigste die Iberische Anarchistische Föderation (FAI) war, auf der anderen Seite. All diesen Strömungen der Anarchisten war aber eines gemeinsam: der »Apolitismus«. In den ersten Monaten des Jahres 1936 nahm die CNT, geschwächt durch Repression und ideologische Spaltungen, eine weniger unnachgiebige Position in ihren Beziehungen zur restlichen politischen Linken ein – was als Vorbote ihrer späteren direkten Regierungsbeteiligung während des Krieges gewertet werden kann.
Bei den Wahlen im Februar 1936 verzichtete die CNT, um die Freilassung von Zehntausenden inhaftierten Mitgliedern nicht zu gefährden, im Gegensatz zu 1933 auf eine Kampagne für Stimmenthaltung. Dieser Nichtaufruf zum Wahlboykott seitens der Anarchisten trug maßgeblich zum Sieg der Volksfront bei. Im Mai 1936 hielt die CNT ihren IV. Kongress in Saragossa ab, der ein Meilenstein in der Geschichte der CNT war, sowohl auf ideologischer Ebene als auch wegen seines Aufrufs zur Einheit der Arbeiter. Schockiert von der Niederschlagung der asturischen Kommune im Oktober 1934 befürworteten die Delegierten des CNT-Kongresses ein revolutionäres Bündnis mit der UGT als ersten Schritt zur sozialen Revolution. Beim Kongress traten aber auch die Schwächen der CNT zu Tage. Zwar wurde ausführlich und abstrakt über das Wesen des libertären Kommunismus debattiert. Die aktuelle Lage und die drohende Gefahr eines Militärputsches waren jedoch keine Themen.
Auch die neu gegründete Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung (POUM) befürwortete die Einheit der Arbeiter, jedoch durch die Reorganisation der Arbeiterallianzen, die in der revolutionären Bewegung von 1934 eine Schlüsselrolle gespielt hatten. Die POUM stellte die Arbeiterallianzen als wesentliches Element zur Überwindung des Kapitalismus dem Konzept der Volksfront gegenüber, die sie als politisches Bündnis betrachtete, das sich dem kleinbürgerlichen Republikanismus unterordnete.
Gleichzeitig betonte die POUM die Notwendigkeit einer großen revolutionären Partei. Die Tatsache, dass es eine solche Partei 1934 nicht gab, war nach Meinung der POUM ein entscheidender Grund für das Scheitern der Bewegung von 1934 gewesen. Die POUM als neue Partei hoffte, die radikalsten Teile der Sozialisten, insbesondere die Jugend, für sich zu gewinnen. Dass der Jugendverband der sozialistischen Partei im Frühjahr 1936 unter stalinistischen Einfluss geriet, versetzte dieser Hoffnung den Todesstoß.
Revolution
Die Revolution, die als Reaktion auf den Aufstand der Militärs im Juli 1936 ausbrach, markierte das Ende des revolutionären Zyklus, der mit dem Sieg der Bolschewiki im Jahr 1917 begonnen hatte. In nur wenigen Tagen hatte die Arbeiterklasse, wie Andreu Nin sagen würde, mit der Waffe in der Hand, »die grundlegenden Probleme« gelöst – das Agrarproblem, das Problem der Kirche, das Problem mit der Armee und schließlich auch die katalanische Frage –, also alles, was »die liberale Bourgeoisie« seit fünf Jahren nicht lösen konnte. Die Arbeiterklasse kämpfte nicht für eine demokratische Republik, sondern für eine sozialistische Revolution.
Der Eckpfeiler dieser Revolution war die Kollektivierung von Industrie und Landwirtschaft: eine einzigartige Erfahrung der Selbstverwaltung der Bevölkerung in der Geschichte der Arbeiterbewegung. In vielen Fällen war die Übernahme von Unternehmen oder Grundstücken ein spontaner Prozess mit anschließender Unterstützung von Arbeiterorganisationen. Die Kollektivierung der Industrie unter der Vormundschaft der CNT ging in Katalonien, wo die Hälfte der Industrie des spanischen Staates zu dieser Zeit konzentriert war, weiter als in allen anderen Landesteilen.
»Im Mittelpunkt allen Widerstands gegen den Aufstand der Generäle standen die Arbeiter-Organisationen, und das nicht nur dort, wo die soziale Revolution am stärksten war.«
Auch im valencianischen Land war die Kollektivierung weit verbreitet, insbesondere in der Landwirtschaft. Die bekanntesten landwirtschaftlichen Gemeinschaften waren neben den valencianischen jene, die von den Anarchisten im Osten Aragons organisiert wurden. Obwohl die Präsenz von CNT-Milizen in der Region für ihre Entwicklung wichtig war, ging die Initiative oft von lokalen Kräften aus. Das gilt vor allem in Ortschaften, in denen während des anarchistischen Aufstands im Dezember 1933 der libertäre Kommunismus ausgerufen worden war. Die landwirtschaftliche Kollektivierung breitete sich auch in ganz Andalusien und Kastilien aus.
Die Revolution beinhaltete im städtischen Raum oft die Besetzung und Beschlagnahmung von Gebäuden. Diese wurden dann als Hauptquartiere antifaschistischer Organisationen, für Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Kantinen genutzt. Darüber hinaus bedeuteten die Revolution und der Krieg für viele Frauen »eine Pause« von ihrer »traditionellen häuslichen Gefangenschaft« und verschafften ihnen erstmals kollektive öffentliche Sichtbarkeit.« Sie wurden zum ersten Mal in größerem Umfang politisch aktiv, schlossen sich massenhaft antifaschistischen Frauenorganisationen an oder arbeiteten in Fabriken. Eine Minderheit beteiligte sich auch am bewaffneten Kampf.
Im Mittelpunkt allen Widerstands gegen den Aufstand der Generäle standen die Arbeiter-Organisationen, und das nicht nur dort, wo die soziale Revolution am stärksten war. Gewerkschaften und Arbeiterparteien organisierten Milizen, um die Rebellen in der gesamten republikanischen Zone zu bekämpfen. Im Sommer 1936 kämpften etwa 150.000 Milizionäre an verschiedenen Fronten. Über die revolutionären Zentren Kataloniens und des valencianischen Landes hinaus intervenierten Gewerkschaften in anderen Gebieten in der Industrie und etablierten verschiedene Formen der Arbeiterkontrolle.
Die Volksfront angesichts von Krieg und Revolution
Angesichts der militärischen Überlegenheit der Franquisten – die massiv von faschistischen Mächten unterstützt wurden – vertraten die wichtigsten Parteien der Volksfront (Republikaner, Sozialisten und Kommunisten) die Auffassung, man müsse den Krieg als Verteidigung der bürgerlichen Demokratie führen. Nur so ließe sich die Unterstützung der Mittelschichten und militärische Hilfe von westlichen Demokratien – allen voran Großbritannien und Frankreich – sichern. Diese Haltung brachte es mit sich, dass die Kräfte der Volksfront die soziale Revolution, die in weiten Teilen des republikanischen Gebiets in vollem Gange war, unterdrückten oder zumindest deren Existenz klein zu halten versuchten.
Sowohl in der damaligen wie auch der aktuellen Geschichtsschreibung war man der Meinung, dass das Bürgertum – oder zumindest ein Teil davon – durch linke republikanische Parteien vertreten werde. Die Tatsache, dass diese Parteien in den republikanischen Regierungen der Jahre 1931 und 1936 eine zentrale Rolle gespielt hatten, führen sie dafür als Begründung an. Tatsächlich war die soziale Basis des Bürgertums auf Wahlebene wenig beständig. Außerhalb Kataloniens – der einzigen Region, in der diese Strömung (durch die ERC) Massenunterstützung genoss – war die soziale Basis des linken Republikanismus recht begrenzt; sie beschränkte sich im Wesentlichen auf das städtische Kleinbürgertum und einige wenige, sehr spezifische Berufsgruppen, wie etwa Lehrer.
»Auf internationaler Ebene haben die scheinbar natürlichen Verbündeten der Republik, die liberalen Demokratien Frankreich und Großbritannien, mit der bemerkenswerten Ausnahme Mexikos, nicht nur die legitime spanische Regierung im Stich gelassen, indem sie sich weigerten, ihr die notwendigen Waffen zu ihrer Verteidigung zu schicken.«
Die Wahlergebnisse während der Jahre der Republik machen die Grenzen ihrer Unterstützung deutlich. Im Jahr 1931 wurden, Katalonien ausgenommen, 111 linksgerichtete republikanische Abgeordnete in Koalition mit der PSOE und der Radikalen Partei gewählt, und im Jahr 1936 wurden 129 als Teil der Volksfront gewählt. Ohne Teil einer Koalition auf Landesebene zu sein, erhielten sie 1933 nur vierzehn Sitze (im Vergleich zu 21 in Katalonien), neun davon dank lokaler Vereinbarungen mit den Radikalen und fünf dank der ebenfalls lokalen Unterstützung der PSOE.
Auf internationaler Ebene haben die scheinbar natürlichen Verbündeten der Republik, die liberalen Demokratien Frankreich und Großbritannien, mit der bemerkenswerten Ausnahme Mexikos, nicht nur die legitime spanische Regierung im Stich gelassen, indem sie sich weigerten, ihr die notwendigen Waffen zu ihrer Verteidigung zu schicken. Mit der Farce einer Politik der »Nichteinmischung« betrieben sie eine Politik, die zur fast völligen Isolation des republikanischen Spaniens führte. Die Teilnahme Deutschlands und Italiens am Nichteinmischungsausschuss war das deutlichste Beispiel für den Zynismus dieser berüchtigten Politik.
Tatsächlich hatten weder Frankreich noch Großbritannien Interesse daran, eine scheinbar schwache spanische Regierung, die offenbar große politische und soziale Unterstützung von radikalen Kräften bekam, zu unterstützen. Die französische Volksfrontregierung, die von den herrschenden Klassen, der Militärführung und dem britischen Imperialismus stark unter Druck gesetzt wurde, machte ihre anfängliche Ankündigung, Waffen an die Republik zu liefern, schnell wieder rückgängig. Die britische Regierung war der Ansicht, dass Azaña der »Kerenski von Spanien« sei und dass der »Bolschewismus« zu Beginn des Bürgerkriegs kurz vor der Machtübernahme stehe. Von den Ministern des britischen Kabinetts gab es zahlreiche Äußerungen dahingehend, dass Franco die beste Option sei, die imperialen und kapitalistischen Interessen Großbritanniens zu schützen.
Stalinismus
Mit der Degeneration der Russischen Revolution und Stalins Machtübernahme wurden die kommunistischen Parteien den politischen Bedürfnissen Moskaus vollständig untergeordnet. Die Hinwendung der Komintern zur Politik der Volksfront war vor allem durch die Notwendigkeit bestimmt, die von Nazideutschland ausgehende Bedrohung für das Überleben der UdSSR einzudämmen. Diese Bedrohung machte die Bildung eines internationalen Bündnisses mit den Demokratien – insbesondere mit Frankreich – gegen die faschistischen Mächte erforderlich. Somit fungierte die Volksfront auf nationaler Ebene als Werkzeug der sowjetischen Außenpolitik. Die Übernahme dieser neuen Ausrichtung der Politik seitens der kommunistischen Parteien in jenem Zeitraum beruhte nicht auf einer Analyse der gesellschaftspolitischen Lage im jeweiligen Land, sondern war bestimmt von den außenpolitischen Interessen der UdSSR.
Im Gegensatz zu der vorangegangenen katastrophalen politischen Linie der KPs, die sozialistische Parteien mit dem »Sozialfaschismus« gleichgesetzt und sie als größte Gefahr für die Arbeiterklasse eingestuft hatte – trug die Volksfrontpolitik jetzt zumindest der Notwendigkeit Rechnung, der rechtsextremen Bedrohung zu begegnen: Dies führte zu einem starken Anwachsen des kommunistischen Einflusses in vielen Ländern, darunter auch in Spanien. Mit Ausbruch des Krieges entwickelte sich die PCE zur mächtigsten politischen Partei im republikanischen Gebiet. Bis Mitte 1937 war ihre Mitgliederzahl auf 300.000 angewachsen – das Zehnfache des Standes von vor Juli 1936 – während die PSUC (ihr katalanischer Ableger) über 50.000 und die JSU rund 250.000 Mitglieder zählten.
Dieser Einflusszuwachs war auf mehrere Gründe zurückzuführen. Die entschiedene und konsequente Verteidigung der Volksfront durch die Kommunisten zog neu politisierte Menschen an, die den Militäraufstand und den Faschismus ablehnten – darunter auch Teile des Kleinbürgertums, die von den Exzessen der Revolution und den Angriffen auf das Privateigentum verängstigt waren. Durch die Befürwortung einer militärischen Zentralisierung und eiserner Disziplin gewannen die Kommunisten zudem die Unterstützung zahlreicher Berufsoffiziere, die der Republik die Treue gehalten hatten. Vor allem aber trug die militärische Unterstützung der Republik durch die UdSSR zum wachsenden Ansehen der PCE bei.
»Der weit verbreitete Einsatz sowjetischer Symbolik und revolutionärer Methoden bei der Mobilisierung der Madrider Bevölkerung im November 1936 lieferte ein weiteres Beispiel für das scheinbar widersprüchliche Verhältnis der Kommunisten zur bürgerlichen Demokratie.«
Ein bei der Erklärung des wachsenden kommunistischen Einflusses oft übersehener Faktor war das nach wie vor vorhandene Image der Partei als »Partei der Russischen Revolution« sowie ihr Selbstverständnis als revolutionäre Kraft. Dass die PCE – ungeachtet ihres Bekenntnisses zur Verteidigung der republikanischen Demokratie – von der Notwendigkeit einer »Demokratie neuen Typs«, einer »Volksrevolution« und eines »nationalrevolutionären Krieges« sprach, trug den politischen und sozialen Realitäten in der republikanischen Zone Rechnung.
Der weit verbreitete Einsatz sowjetischer Symbolik und revolutionärer Methoden bei der Mobilisierung der Madrider Bevölkerung im November 1936 lieferte ein weiteres Beispiel für das scheinbar widersprüchliche Verhältnis der Kommunisten zur bürgerlichen Demokratie. Daher lag die Schlussfolgerung nahe, dass die Volksfront lediglich ein notwendiges taktisches Zwischenspiel – eine Vorstufe – auf dem Weg zur Errichtung des Sozialismus darstellte. Solche Ambivalenzen trugen zur steigenden Anziehungskraft des Stalinismus auf einen beträchtlichen Teil der FJS bei.
Letztlich war nur die PCE (bzw. die PSUC in Katalonien) – mit ihrer Disziplin und ihrer leninistischen Struktur, im Gegensatz zu den liberalen und reformistischen Strömungen – dazu in der Lage, die in der republikanischen Zone im Gange befindlichen revolutionären Aktivitäten zu beenden als auch die Kriegsanstrengungen der Volksfront politisch zu lenken.
Der Anarchismus vor der Macht
Nach der Niederschlagung des Militäraufstands in fast zwei Dritteln des spanischen Staatsgebiets wurde die Macht von unzähligen Komitees ausgeübt, von denen viele der Volksfront angehörten und an denen die CNT direkt beteiligt war. In Katalonien spiegelten die Komitees den Einfluss der revolutionären Kräfte auf das politische Geschehen wider. Sie bezeichneten sich größtenteils als »revolutionäre« oder »antifaschistische« Komitees. Ihre Zusammensetzung hing jeweils von der lokalen Stärke der verschiedenen Organisationen ab. Im Allgemeinen wurden ihre Mitglieder von den verschiedenen beteiligten Organisationen als Delegierte benannt; nur wenige wurden von der lokalen Bevölkerung gewählt.
Um den Mangel an Koordination und die Zersplitterung der Macht in den ersten Wochen in der republikanischen Zone zu überwinden, wurden auf regionaler und provinzieller Ebene verschiedene Arten von Ausschüssen eingerichtet. Fast alle wurden von Volksfrontorganisationen auf lokaler Ebene unterstützt, hinzu kam die CNT. Ihre Autonomie und Radikalität variierten je nach Standort. Das wichtigste davon war das Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen (CCMA) in Katalonien. Da die katalanische Regierung nicht in der Lage war, die Situation zu bewältigen, schlug sie den Arbeitern und den republikanischen Streitkräften die Einrichtung eines einheitlichen Komitees zur Koordinierung des Kampfes gegen die Putschisten vor. So wurde am 21. Juli die CCMA mit einer Mehrheit der Volksfront gegründet. Die Entscheidungen des neuen Komitees spiegelten die Stärke der Revolution wider. Neben der militärischen Organisation unternahm die CCMA die ersten Schritte zur Kontrolle der Wirtschaft, Sperrung der Bankkonten von Personen, die den Aufstand unterstützt hatten, und Ergreifung von Maßnahmen, um von Arbeitern geführte Unternehmen dabei zu helfen, weiterhin Löhne zu zahlen.
In weiten Teilen des übrigen republikanischen Gebiets wurden Komitees gebildet, die – wie der CCMA – in den ersten Wochen des Bürgerkriegs faktisch die Macht innehatten. Die politische Ausrichtung der meisten dieser Komitees spiegelte den Einfluss der Organisationen der Volksfront wider. Die Lage war derart polarisiert, dass sie an mehreren Orten ausgesprochen radikal agierten, wie etwa die Komitees in Cartagena, Gijón, Málaga, Valencia und vor allem der im Oktober 1936 gegründete, von den Anarchisten dominierte Rat von Aragón.
Das Dilemma der Anarchisten
Da es jedoch nicht gelang, die Macht der Ausschüsse, die völlig fragmentiert blieben, zu festigen, konnte sich die Revolution nicht vollständig durchsetzen. Angesichts dieser Umstände hing die Zukunft der Revolution von der CNT ab, die ihre Mitgliederzahl während des Krieges verdoppelte und 1.500.000 Mitglieder erreichte. Für die Anarchisten war die Revolution insofern ein Stück ihrer Realität, als in weiten Teilen der republikanischen Zone die Arbeiterklasse die Straßen, Fabriken und das Land kontrollierte. Allerdings kontrollierten die Arbeiterorganisationen weder die Strukturen der Kommunikation, den Außenhandel noch das Bankwesen. Vor allem mit der Gründung der Volksarmee im Herbst 1936 verloren sie die Kontrolle über das Schlüsselelement des Krieges und der Revolution: die Streitkräfte.
Angesichts des Vakuums, das der beinahe vollständige Zerfall des republikanischen Staates hinterlassen hatte, entstand für die Anarchisten bald ein Dilemma. Bereits am 21. Juli, auf der regionalen Plenarsitzung der katalanischen CNT, einen Tag nach der Niederlage der Putschisten in Barcelona, sagte Juan García Oliver, einer der einflussreichsten Führer des radikalen Anarchismus, dass die CNT zwei Alternativen habe: »Alles oder Nichts«. Das eine war die Errichtung »einer anarchistischen Diktatur«. Das andere würde darauf hinauslaufen, mit den anderen antifaschistischen Kräften zusammenzuarbeiten. Da »eine Diktatur« für die Anarchisten ein Gräuel war und es außerhalb Kataloniens andere politische Kräfte von erheblicher Stärke gab (insbesondere die Sozialisten), entschieden sich die Anarchisten für »Zusammenarbeit« So waren die anarchistischen Führer fast von Anfang an in den Zwiespalt zwischen ihrer Verteidigung der Revolution und ihrer praktischen Zusammenarbeit mit dem Staat gefangen.
»Die Annahme, dass die Entscheidung der republikanischen Volksfrontregierung zur Zerschlagung der Revolution lediglich rein »pragmatische« Gründe hätte, die sich aus den Erfordernissen der Kriegsführung ergaben, ist ein Trugschluss.«
In Wirklichkeit bestand die Dichotomie nicht zwischen »Diktatur« oder »Zusammenarbeit«, sondern zwischen Arbeitereinheit mit anderen Kräften jenseits des anarchistischen Lagers mit dem Ziel der Durchsetzung der gemeinsamen Ziele oder Unterordnung unter die Agenda der Volksfront – was früher oder später das Ende der Revolution bedeuten musste.
Da sie gegen die Schaffung eines neuen Staates waren, arbeiteten sie letztendlich mit dem bestehenden Staat zusammen – oder, um es im Fall des spanischen Staates von 1936 genauer zu sagen, am Wiederaufbau des republikanischen Staates. Anfang November 1936, angesichts einer zunehmend kritischen militärischen Lage, traten vier Anarchisten der republikanischen Regierung bei.
Der Prozess der Konterrevolution innerhalb des republikanischen Gebiets erreichte mit den Straßenkämpfen Anfang Mai 1937 seinen Höhepunkt. Eine Woche später bedeutete die Bildung einer Regierung unter der Führung des gemäßigten Sozialisten Juan Negrín – ohne Beteiligung der Anarchisten – die endgültige Festigung des bürgerlichen Staates und die Unterdrückung der revolutionärsten Kräfte, insbesondere der POUM. Sie wurde Opfer einer heftigen Diffamierungskampagne von Seiten des Stalinismus. Die letzte Bastion der Revolution war der von Anarchisten kontrollierte Rat von Aragón, der im August 1937 von der Regierung in Madrid aufgelöst wurde. Im Februar 1938 kehrte die CNT, die sich mittlerweile vollständig der Zusammenarbeit mit dem republikanischen Staat verschrieben hatte, in die Regierung zurück.
War eine revolutionäre Alternative möglich?
Es muss geprüft werden, ob es eine Alternative zum Ansatz der Volksfront gab, den Krieg zur Verteidigung der Demokratie auf Kosten der sozialen Revolution zu führen. Die militärische Strategie der republikanischen Regierung lehnte den Einsatz unorthodoxer oder revolutionärer Taktiken ab. Das war zum Teil auf das Bemühen der republikanischen Regierung zurückzuführen, die politische Kontrolle in ihrem Gebiet zu behalten und sich der Welt als liberale Regierung zu präsentieren. Angesichts des großen militärischen Übergewichts des Feindes hatte das Festhalten der republikanischen Regierung an einer konventionellen Militärstrategie jedoch kaum Aussicht auf Erfolg.
Die Annahme, dass die Entscheidung der republikanischen Volksfrontregierung zur Zerschlagung der Revolution lediglich rein »pragmatische« Gründe hätte, die sich aus den Erfordernissen der Kriegsführung ergaben, ist ein Trugschluss. Die Politik der Volksfront, insbesondere ihre Unterordnung unter imperialistischen Interessen, hatte militärische Konsequenzen. So machte beispielsweise der auf Druck der britischen Regierung erfolgte Rückzug von Schiffen der republikanischen Marine aus der Straße von Gibraltar, der gleich zu Beginn des Krieges erfolgte, Franco den Weg frei, Tausende von Soldaten aus Nordafrika auf die Halbinsel zu verlegen. Auch die Weigerung der Volksfrontregierung, die Unabhängigkeit Marokkos zu erklären und damit einen Aufstand im faschistischen Hinterland zu unterstützen, kam den putschistischen Kräften zugute. Grund für diese Entscheidung der Regierung in Madrid war, dass das auch die Interessen des französischen Imperialismus beeinträchtigt hätte.
»Es lässt sich nicht sagen, welche Auswirkungen die Existenz einer revolutionären Regierung in Spanien auf die Arbeiterbewegungen außerhalb der Landesgrenzen gehabt hätte. Der Präzedenzfall von 1917 lässt vermuten, dass dies als Katalysator wirken und dazu hätte führen können, dass andere klassenkämpferische politische Strömungen gestärkt worden wären.«
Eine alternative militärische Strategie hätte stärker auf die massive Mobilisierung der Bevölkerung (wie es während der Schlacht um Madrid im November 1936 der Fall war) setzen müssen. Eine sinnvolle Alternative wäre ein defensiver Stellungskrieg in Verbindung mit begrenzten Überraschungsangriffen gewesen. Sicherlich hätten für die republikanische Kriegsführung auch Elemente eines Guerillakriegs Sinn gemacht. Durch eine solche Strategie hätte man die massiven Feldschlachten mit einem militärisch weit überlegenen Gegner vermeiden können. Gleichzeitig hätten Maßnahmen wie die Erklärung der Unabhängigkeit Marokkos und die militärische Unterstützung der marokkanischen Unabhängigkeitsbewegung oder die Ankündigung von Landvergaben an die Bauern dazu beitragen können, Unruhe im Hinterland des Feindes zu schüren.
Natürlich lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass eine solche Strategie des revolutionären Krieges Erfolg gehabt hätte – obwohl diesbezüglich die Verteidigung Madrids ein gutes Beispiel ist. Zudem war die internationale Lage für die Republik nicht günstig, weil international die kommunistischen wie auch die sozialdemokratischen Parteien großen Einfluss ausübten. Es lässt sich nicht sagen, welche Auswirkungen die Existenz einer revolutionären Regierung in Spanien auf die Arbeiterbewegungen außerhalb der Landesgrenzen gehabt hätte. Der Präzedenzfall von 1917 lässt vermuten, dass dies als Katalysator wirken und dazu hätte führen können, dass andere klassenkämpferische politische Strömungen gestärkt worden wären.
Krieg und Revolution
Die Geschichtsschreibung zum Bürgerkrieg stellt die Spaltung innerhalb der antifaschistischen Kräfte häufig als einen Konflikt zwischen denen dar, die der Gewinnung des Krieges oberste Priorität einräumen wollten (Kommunisten, Republikaner und Sozialisten), und jenen (CNT und POUM), die die Interessen der Revolution über die des Krieges stellten: Historiker sprechen von einem Gegensatz zwischen Krieg und Revolution. Das war niemals der Fall. Sowohl die CNT als auch die POUM sprachen von der Notwendigkeit, Krieg und Revolution gleichzeitig voranzutreiben. Sie befürworteten, einen revolutionären Krieg zu führen. Beides, Krieg und Revolution, war für sie untrennbar miteinander verbunden. Vor allem die POUM verfolgte eine Militärpolitik, die die Schaffung einer revolutionären Armee nach dem Vorbild der sowjetischen Roten Armee während des russischen Bürgerkriegs vorsah. Es ist aber klar, dass sich eine solche Armee nicht ohne eine revolutionäre Regierung aufbauen ließ, die auf einer Demokratie von unten, auf Komitees aus Arbeitern, Bauern und Milizionären beruhte.
Die POUM vertrat die Auffassung, dass zur Festigung der Revolution – zumindest in Katalonien – die Machtübernahme durch die Arbeiterklasse erforderlich sei. Angesichts der realen Kräfteverhältnisse war dieses Vorhaben ohne die CNT unmöglich. Die CNT – oder zumindest einen Teil davon – davon zu überzeugen, wurde dementsprechend zum wichtigsten politischen Anliegen der POUM. Doch wie wir gesehen haben, war es dazu erforderlich, jene tiefsitzende Überzeugung der Anarchisten zu überwinden, wonach jede Form von Macht oder revolutionärem Staat unweigerlich in eine Diktatur führen würde.
Letztendlich fehlte der Spanischen Revolution eine revolutionäre Organisation mit der nötigen Stärke, um die Machtübernahme anzuführen. Es gab aber noch eine Reihe weiterer Hindernisse, die verhinderten, dass die POUM – laut Andreu Nin die »einzige Partei der Revolution« – zu einer solchen Organisation werden konnte. Abgesehen von ihren eigenen politischen Fehlern fehlte ihr außerhalb Kataloniens der nötige politische Rückhalt. Sicherlich schlug auch der Umstand negativ zu Buche, dass die POUM – sie war erst ein Jahr zuvor gegründet worden – noch eine relativ junge Kraft war, die kaum über die politische Führungskraft verfügte, die eigentlich erforderlich gewesen wäre. Und ohne politische Führung war die Revolution zum Scheitern verurteilt.
Dieser Artikel wurde zuerst in spanischer Sprache von Viento Sur veröffentlicht. Übersetzung von Paul Michel.