Trumps Basis bröckelt
2024 feierten die Republikaner den Wahlsieg von Donald Trump als die Geburtsstunde einer neuen Unterstützerbasis: einer multiethnischen Arbeiterschaft, inklusive der neu gewonnenen Zustimmung Schwarzer und lateinamerikanischer Wahlberechtigter, insbesondere bei Männern. Diese hätten sich wegen Themen wie Inflation, Lebenshaltungskosten und Einwanderung endgültig von den Demokraten abgewandt. Diese Einschätzung mag im November 2024 noch plausibel gewesen sein, heute trifft sie jedoch nicht mehr zu. Tatsächlich bröckelt Trumps Unterstützerschaft im Laufe des Jahres 2026 zunehmend.
Wir haben im ersten Halbjahr 2026 dreimal Menschen befragt, die Trump 2024 gewählt hatten: 1.940 Personen im Februar, mit zusätzlichen Interviews unter Schwarzen und lateinamerikanischen Wählern aus der Arbeiterklasse; fast 8.000 im April und Mai; und 2.360 in einer landesweiten Umfrage Ende Juni und Anfang Juli. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Anteil der Trump-Wähler von 2024, die sich nicht fest dazu entschieden haben, 2028 erneut die Republikaner zu wählen (wir nennen sie »Trump-Schwankende« beziehungsweise »Unentschlossene«), im Laufe des Jahres deutlich gestiegen ist.
Im Februar war noch jeder fünfte Trump-Wähler von 2024 ein Schwankender. Im April lag dieser Anteil dann bei 23 Prozent, und im Juli gaben mehr als ein Viertel an, dass sie sich nicht fest entschlossen haben, 2028 für die Republikaner zu stimmen.

Zunehmende Skepsis unter Höhergebildeten
Dabei zeigte sich unter anderem: Die Trump-Wähler, die am seltensten angaben, 2028 wieder die Republikaner wählen zu wollen, sind diejenigen am unteren Ende der Einkommensskala. Das hat sich im Laufe der Zeit auch nicht verändert: Im Februar waren 28 Prozent der bisherigen Trump-Wähler mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar unentschlossen, gegenüber lediglich 15 Prozent derjenigen mit einem Einkommen über 100.000 Dollar. Im Juli war der Abstand fast identisch, wobei die Unentschlossenheit aber in beiden Gruppen leicht anstieg – auf 32 beziehungsweise 18 Prozent.
»Die bedeutendste Nachricht dürfte aber sein, dass Trump weiße Wähler aus der Arbeiterklasse verliert.«
Im Gegensatz dazu sehen wir zwischen Februar und Juli einen starken Anstieg der Unentschlossenheit bei Trump-Wählern mit Hochschulabschluss. Im Februar gab es noch einen leichten Unterschied je nach Bildungsabschluss: Bei denjenigen ohne Hochschulabschluss lag die Unentschlossenheit bei 22 Prozent, bei den Hochschulabsolventen bei 18 Prozent. Im Juli war der Unterschied verschwunden; die Unentschlossenheit unter den Hochschulabsolventen stieg um mehr als sechs Prozentpunkte, während sie bei den Trump-Wählern ohne Hochschulabschluss praktisch unverändert blieb.
Die bedeutendste Nachricht dürfte aber sein, dass Trump weiße Wähler aus der Arbeiterklasse verliert. Frühere Trump-Wähler mit Migrationshintergrund – insbesondere Schwarze, aber auch Latinos – zeigten sich im Februar und April noch deutlich häufiger unentschlossen als weiße Trump-Wähler. Im Juli äußerten inzwischen 40 Prozent der Schwarzen Trump-Wähler Unentschlossenheit, doch der Anteil der unentschlossenen weißen Wahlberechtigten stieg zeitgleich deutlich an – von 18 Prozent im Februar auf 24 Prozent im Juli. Die Unentschlossenheit sowohl von weißen als auch lateinamerikanischen Personen aus der Arbeiterklasse liegt nun bei etwa 25 Prozent.

Die Unterschiede nach Klassen sind bei Weißen weitaus geringer als bei Afroamerikanern und Latinos. In der Frühjahrsumfrage (der einzigen, die groß genug war, um die Ergebnisse nach ethnischer Zugehörigkeit und Einkommen aufzuschlüsseln) waren 46 Prozent der Latino-Trump-Wähler mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar unentschlossen, gegenüber 19 Prozent derjenigen mit einem Einkommen über 100.000 Dollar – ein Klassenunterschied von 27 Prozentpunkten. Bei den Schwarzen Trump-Wählern betrug der Unterschied 18 Punkte (45 versus 27 Prozent). Bei den weißen Wählerinnen und Wählern waren es hingegen gerade einmal zwei Punkte.
Kurz gesagt: Unter Weißen gibt es bei der Unentschlossenheit, ob man die Republikaner wählen möchte, praktisch keine Klassenunterschiede. Bei Schwarzen sowie bei lateinamerikanischen Wählerinnen und Wählern sind die Unterschiede hingegen eklatant.

Weiße Trump-Wähler haben nach wie vor die niedrigste »Schwankenden-Rate« unter allen ethnischen Gruppen. Doch in den vergangenen sechs Monaten haben sie sich stärker von den Republikanern abgewandt als Schwarze oder Latinos. Das gilt sowohl für weiße Wahlberechtigte mit Hochschulabschluss als auch für diejenigen ohne: Unter den weißen bisherigen Trump-Wählern stieg der Anteil der Schwankenden bei denjenigen ohne Hochschulabschluss von 19 Prozent im Februar auf 25 Prozent im Juli, bei den Hochschulabsolventen von 16 auf 23 Prozent.
Die Unentschlossenheitsraten sind besonders hoch unter den Wählerinnen und Wählern, die 2024 von Biden zu Trump überwechselten. Im Februar gaben noch 57 Prozent dieser Wechselwähler an, sie würden den oder die republikanische Kandidatin 2028 nicht unterstützen, während es im Frühjahr dann schon 63 Prozent waren. Wählerinnen und Wähler, die bei den vergangenen beiden Wahlen für Trump gestimmt hatten, schwanken dagegen nur zu 16 bis 17 Prozent.
Kein Zulauf für die Demokraten
Sich von den Republikanern abzuwenden, bedeutet nicht, sich den Demokraten zuzuwenden.
Unter den 25 Prozent der Trump-Wähler von 2024, die heute schwankend und unentschlossen sind, geben weniger als 20 Prozent an, 2028 für einen oder eine Demokratin stimmen zu wollen. 22 Prozent nennen unabhängige Kandidaten oder Vertreter einer dritten Partei; fünf Prozent sagen, sie wollen gar nicht wählen gehen; und 56 Prozent sind sich noch unsicher. Die Demokraten haben bislang weniger als fünf Prozent aller Trump-Wählerinnen und -Wähler von 2024 für sich gewinnen können.

Um besser zu verstehen, was Schwankende davon abhält, zukünftig die Demokraten zu unterstützen, haben wir die Teilnehmenden gefragt, was ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an die Demokratische Partei denken. Von den 1.055 Schwankenden, die an unserer Frühjahrsumfrage teilgenommen haben, nannten 49 Prozent tatsächlich konkrete Gründe, warum sie die Demokraten nicht unterstützen. 29 Prozent hatten keine ausgeprägte Meinung diesbezüglich; 18 Prozent äußerten sich positiv über die Demokraten.

Die größten Bedenken hinsichtlich einer Stimme für die Demokratische Partei scheinen beim Thema Vertrauen und Kompetenz zu liegen: Fragen, ob man darauf bauen kann, dass die Partei im Sinne von »normalen Menschen« handelt, oder ob sie überhaupt handlungsfähig und -willig ist. Knapp die Hälfte der Trump-Schwankenden (49 Prozent) äußerte sich explizit negativ auf die Frage, was ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an die Demokratische Partei denken; bei 59 Prozent dieser Antworten wurde Zweifel ausgedrückt, ohne auf konkrete Themen und die Haltung der Partei dazu einzugehen.
Die häufigsten Beschwerden – 37 Prozent aller negativen Äußerungen der Schwankenden – bezogen sich auf Korruption und Selbstbereicherung sowie den Vorwurf, die Demokraten seien nur auf ihren eigenen Vorteil aus. Beispielhaft einige Zitate von Befragten: »Wenn ich an die Demokratische Partei denke, fallen mir Leute ein, die Macht wollen, um reich zu werden. Sie geben nur vor, sich um die weniger Glücklichen zu kümmern«; »Geldgierig, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht«; »Kümmern sich nur darum, an der Macht zu bleiben und sich selbst zu bereichern.«
»Das Hauptproblem ist also nicht, dass unentschlossene frühere Trump-Wähler die Demokraten für zu radikal halten. Vielmehr glauben sie nicht, dass der Partei ihre Interessen am Herzen liegen.«
Weitere zwölf Prozent bezweifelten, dass die Demokraten überhaupt etwas Substanzielles umsetzen können. Die Partei zeige keine Führung und keinen Kampfgeist: »Ein Haufen Leute, die nicht miteinander auskommen und sich auf nichts einigen können«; »Zersplittert, keine echte Führung«; »Unehrlich und unglaubwürdig«; »Nicht stark genug, um Stellung zu beziehen. Viel Gerede, keine Taten.«
Etwa zehn Prozent gaben an, sie seien der Ansicht, dass die Demokratische Partei Menschen wie sie schlichtweg nicht wahrnehme oder sich nicht um sie kümmere: »Die haben keine Ahnung, wie das Leben eines durchschnittlichen Amerikaners aussieht. Und es ist ihnen auch egal«; »Eine Partei, bei der es früher um die Arbeiterklasse ging, die sich jetzt aber zu sehr auf die wohlhabenden Eliten konzentriert«; »Ich bin mein ganzes Leben lang Demokrat gewesen und dachte immer, sie wären für die armen Leute. Mann, habe ich mich geirrt.«
Eigennutz, Schwäche und Gleichgültigkeit gegenüber normalen Menschen machten zusammen rund 60 Prozent der negativen Einstellungen aus, die Trump-Schwankende gegenüber der Demokratischen Partei äußerten.
Beschwerden über die Ideologie der Partei und ihre »Wokeness« waren zwar ebenfalls zu vernehmen, aber bei weitem nicht so verbreitet: 15 Prozent der negativen Einstellungen gegenüber den Demokraten konzentrierten sich auf polarisierende gesellschaftliche Themen; weitere zwölf Prozent der Befragten warfen der Partei vor, sie sei zu weit nach links abgedriftet. Dabei waren viele der negativen Antworten der Trump-Schwankenden, die sich auf kontroverse gesellschaftliche Themen bezogen, eher Beschwerden über die Prioritäten der Demokraten als Meinungsverschiedenheiten mit der Partei über konkrete politische Maßnahmen: »Die kümmern sich mehr um LGBT als um Kriminalität«; »Denen geht es nur um woke Politik. Die stecken mit den Großkonzernen unter einer Decke und haben die Arbeiterklasse vergessen.«
Das Hauptproblem ist also nicht, dass unentschlossene frühere Trump-Wähler die Demokraten für zu radikal halten. Vielmehr glauben sie nicht, dass der Partei ihre Interessen am Herzen liegen. Sie bezweifeln, dass die Demokraten für sie kämpfen würden, wenn es darauf ankommt. Und sie haben das Gefühl, dass die Figuren an der Parteispitze nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind.
Chance für die Demokraten
Unsere Daten der vergangenen sechs Monate zeichnen ein konsistentes Bild: Trump verliert die Wählerinnen und Wähler aus der Arbeiterklasse, von denen sich die Republikaner erhofft hatten, dass sie dazu beitragen würden, seinen Sieg 2024 in eine dauerhafte Machtverschiebung zu verwandeln. Mehr noch: Die Republikaner verlieren immer mehr Menschen, je näher die Midterms rücken. Überproportional viele Ex-Unterstützer, die Trump verloren hat, sind arm, nicht weiß und jung. Doch auch unter Weißen und unter Hochschulabsolventen schwindet die Unterstützung zunehmend; ihre Zustimmung zu den Republikanern lag in den jüngsten Erhebungen sechs oder mehr Punkte unter dem Stand vom Februar.
»Ob Trumps bröckelnde Unterstützerbasis nun eine Chance für Progressive darstellt oder nur einen noch größeren Pool an Unzufriedenen hervorbringen wird, hängt davon ab, ob die Demokraten diese Menschen davon überzeugen können, dass die Partei ihnen etwas bietet, wofür es sich lohnt, zur Wahl zu gehen.«
Das strategische Problem der Demokraten besteht derweil darin, dass viele der Schwankenden in ökonomischen Fragen durchaus populistisch eingestellt sein dürften, aber gleichzeitig beiden Parteien misstrauen. Daher scheint es wahrscheinlicher, dass sie sich ganz aus den Wahlen heraushalten, als dass sie zu den Demokraten überlaufen. Eine wirkungsvolle Ansprache seitens der Demokratischen Partei muss daher mit klaren Signalen einhergehen, dass sie für die Arbeiterklasse kämpft.
Laut einer aktuellen Studie sind zehn von zwölf der wichtigsten Anliegen der Wählerinnen und Wähler aus der Arbeiterklasse ökonomischer Natur. Für sie sind Löhne und wirtschaftliche Chancen ebenso entscheidend wie Preise und Inflation. Auch Korruption ist ihnen ein Anliegen: Eigentlich sollte es für die Demokraten ein Kinderspiel sein, Beispiele dafür zu liefern, wie Trump und sein elitärer Milliardärs-Freundeskreis auf Kosten der Bevölkerung Geld scheffeln.
Ob Trumps bröckelnde Unterstützerbasis nun eine Chance für Progressive darstellt oder nur einen noch größeren Pool an Unzufriedenen hervorbringen wird, hängt davon ab, ob die Demokraten diese Menschen davon überzeugen können, dass die Partei ihnen etwas bietet, wofür es sich lohnt, zur Wahl zu gehen. Sonst droht, dass sie sich (widerwillig) erneut für das vermeintlich kleinere Übel, also die Republikaner, entscheiden – oder dass sie sich endgültig von der Politik abwenden.
Übersetzung von Tim Steins.