@raphael das finde ich sehr interessant, weil ich bisher lange davon ausgegangen bin, dass melenchon eigentlich abgeschrieben ist. da hat sich wirklich eine krasse dynamik entwickelt in den letzten woche. ich denke auch, dass diese "fuck you" attitude die einzige ist, mit der man gegen die rechten ankommen kann.
@magdalena Ja, total. Ich glaube, ein wichtiger Punkt ist auch, dass es in Frankreich inzwischen eine „Generation Mélenchon“ gibt. Am Anfang kam ein großer Teil seiner Unterstützung noch aus eher klassischen linken Milieus. Seit seiner ersten Präsidentschaftskandidatur 2012 sind aber immer neue Jahrgänge mit ihm politisiert worden, und seine Basis ist dabei zugleich viel breiter geworden. Gerade in den Vorstädten und quartiers populaires ist Mélenchon inzwischen extrem stark. 2022 holte er in Seine-Saint-Denis fast 50 Prozent, in Städten wie Saint-Denis oder La Courneuve sogar über 60 Prozent. Dazu kommt eine sehr junge Wählerschaft, von der viele vorher kaum oder gar nicht gewählt haben. Das ist schon eine ziemlich besondere Mischung: klassische Linke, junge Akademiker, migrantisch geprägte Vorstädte und Teile der urbanen Arbeiterklasse.
Und aus dieser Generation ist inzwischen auch krass gutes politisches Personal hervorgegangen. Clémence Guetté, Antoine Léaument, Rima Hassan, Emma Fourreau und noch viele andere sind alle noch relativ jung, aber politisch und medial schon extrem erfahren. Viele von denen könnten im Grunde morgen Verantwortung übernehmen. Deshalb hängt das Ganze auch nicht mehr nur an Mélenchon selbst. Er hat tatsächlich eine Bewegung aufgebaut, die ihn politisch überleben kann.
Das ist übrigens auch ein interessanter Unterschied zum RN. Der ist zwar elektoral enorm stark, hat aber bis heute größere Probleme, überall genügend erfahrenes und gut ausgebildetes Personal aufzubauen.